10. Juli

Älterwerden ist schwierig. Wenn man jung ist, dann glaubt man, dass sich die ganze Welt nur um einen dreht und man der Mittelpunkt der Welt ist. Wenn man älter wird, dann meint man zu begreifen, dass das eigene Leben im großen Lauf der Welt ohne Belang ist und es im Grunde nicht zählt, ob wir leben oder nicht.

Später erst merkt man, dass beides stimmt. Dass unser ganzes Tun und Trachten wahrscheinlich keinen bleibenden Abdruck in der Geschichte hinterlassen wird (selbst, wenn wir Cäsar, Dante oder Picasso heißen), dass die Welt einfach über uns hinweggehen wird und unsere Spuren bald verblassen. Dass wir aber trotzdem im Mittelpunkt unserer eigenen kleinen Welt stehen und für einen winzigen Kreis an Menschen wirklich zählen. Wenn vielleicht auch nur für einen kurzen Augenblick.

Ein Dichter hat das einmal so schön gesagt:

Ein jeder steht allein auf dem Herzen der Erde
getroffen von einem Sonnenstrahl:
und schon ist es Abend.

(Salvatore Quasimodo)

 

Das ist schön und furchtbar traurig zugleich. Und diesen Zwiespalt auszuhalten, mit ihm zu leben und vielleicht auch bewusst auszufüllen, gehört sicher mit zum Schwierigsten das es gibt. Vielleicht können uns Kunstwerke helfen, mit diesem Schmerz umzugehen. Nicht, um ihn zu betäuben oder davor davonzulaufen, sondern ihn bewusst zu durchleben und als Teil unseres Lebens zu begreifen.

Denn sie sind mehr als nur Spielereien eines müßigen Geistes, mehr als „Tand aus Menschenhand“, sondern sie zählen mit zum Wertvollsten, das der Mensch erschaffen hat und können auch in den schwärzesten Stunden trösten.

Daher für heute noch eine Klage an das Menschsein, an das Leben an sich, voller Trauer und Hoffnung: Lachrimae Pavane

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