17. Dezember

Man muss sich fast täglich die Frage stellen, wieso man das eigentlich tut. Beziehungsweise sollte man das regelmäßig tun. Vor allem, wenn man etwas macht, das die meisten »dumm«, »größenwahnsinnig« oder schlicht »aus der Zeit gefallen« finden.

Es ist ja nicht so, dass ich eines Tages aufgewacht bin mit dem Plan: »Gut, heute habe ich nichts Besseres zu tun, also starte ich eine Kulturplattform und mach dann vielleicht auch noch einen Buchverlag dazu.« So war es ja nicht, sondern das Ganze ist Schritt für Schritt und eher zufällig entstanden. Am Anfang war einfach nur ein Gefühl, dass ich in einer allzu lauten und scheinbar immer geistloseren Zeit etwas gegen die Unlust an der Beschäftigung mit Kunst und Kultur tun muss. Dass ich den Menschen zeigen muss, wie schön diese Welt ist, wie befriedigend und erfüllend die Beschäftigung mit ihr sein kann und wie wichtig es ist, nicht nur die Erinnerung an diese Welt aufrecht zu erhalten, sondern dass ich einen kleinen Anstoß geben möchte, sie wieder zu einem Teil unseres Lebens zu machen. Alles andere war dann eine ganz natürliche Entwicklung und eines hat sich (fast wie von selbst) aus dem anderen ergeben.

 

War das ganze Projekt anfangs nur als Hobby gedacht, als kleine Sache, die ich nebenbei erledigen kann, beschäftigt mich der Leiermann mittlerweile 24 Stunden am Tag. Ich hätte nie gedacht, dass es so viel Arbeit ist, dass es so viele Dinge zu bedenken und zu erledigen gibt, wenn man etwas richtig gut machen will. Aber ich ahnte auch nicht, dass ich so viele Glücksmomente erlebe, dass ich so viele neue Gedanken, Bilder und vor allem Menschen kennenlernen darf, mit denen ich jetzt mein Leben teile und die mich Tag für Tag neu beschäftigen und mein Leben reicher machen.

 

Da ich im Laufe des Jahres immer wieder gefragt wurde, was ich so mache, was ich denke, wer mir hilft und wie das alles beim Leiermann läuft, habe ich mich entschlossen, das nächste Jahr online zu dokumentieren. Hauptsächlich hier in Form eines Tagebuches werde ich notieren, was wir Tag für Tag so machen, wer mir hilft, an welchen Projekten wir sitzen und wie es beim Leiermann so aussieht. Ich werde von unseren Autorinnen und Autoren erzählen, von unserer Lektorin und überhaupt von all den Menschen, die uns helfen und die den Leiermann ausmachen.

Wer weiß, vielleicht bringe ich sogar den Mut auf, mich ab und an vor die Kamera zu setzen und mit euch zu plaudern beziehungsweise über Kunst und Kultur zu sprechen. Aber damit warte ich noch ein bisschen.

Auf jeden Fall wünsche ich uns eine spannende, vielleicht auch unterhaltsame, auf jeden Fall aber interessante Reise durch ein Jahr (und ein bisschen) mit dem Leiermann!