20. Mai

Manchmal komme ich mir vor, als stehe ich auf der Bühne. Von den Zuschauerrängen kommen Zurufe, Aufmunterungen meist,  aber auch regelmäßig ein: „Ist das aber doof“. Aber trotzdem stehe ich hier, allein, und weiß eigentlich nicht, ob ich in diesem Spiel der Held oder der Narr bin. Oder vielleicht auch nur eine kleine Nebenrolle spiele. Aber tun wir das nicht alle? Sind wir nicht alle, wenn wir es von oben betrachten, Statisten und Mitläufer? Und doch – wenn wir näher hinsehen, sind wir dann nicht der Mittelpunkt der Welt?

Es gibt ein schönes Gedicht von Salvatore Quasimodo:

Ein jeder steht allein auf dem Herzen der Erde
Getroffen von einem Sonnenstrahl :
Und schon ist Abend.

Und das ist das Leben, oder? Wir stehen alleine auf dem Herzen der Erde, wir sind der Mittelpunkt unserer Welt, und kurz leuchtet das Leben auf. Und dann, plötzlich, ist es Abend.

Wie schön ist das. Wie schön und traurig zugleich.

Apropos Mittelpunkt der Welt – in meiner kleinen Welt hatte ich heute kurz Panik. In Kathis Buch habe ich einen Teil des Literaturverzeichnisses von Christian eingefügt, also einen Teil des Augsburg Buches in der österreichischen Antike versteckt. Ich bin nur froh, dass sich noch nicht so viele Bücher davon verkauft haben und ich mir nur etwa 50 Exemplare habe schicken lassen. Mir ist kurz schlecht geworden bei dem Gedanken: „Was, wenn ich vorab 1000 Stück gedruckt hätte?“. Aber so ist alles in Ordnung und ich werde sie an Liebhaber verkaufen, vielleicht mit einem kleinen Begleitbrief und einem ausgedruckten Literaturverzeichnis. Mal sehen, ob das jemand so haben möchte. Ansonsten muss ich es wohl unter neuer Erfahrung abspeichern, das Geld verloren geben und das nächste Mal etwas vorsichtiger sein.

Jetzt ist es schon Abend und ich werde mich wohl noch an mein neues Buch setzen. Im ersten Überschwang des Schreibens habe ich bei einigen Kapiteln die Jahreszahlen vertauscht und verwechselt. Und ein paar Namen zu viel in das Buch gepackt, die eigentlich, beim zweiten Durchgang, rausgehören.

Also noch einmal durch die Kapitel und alles überprüfen. Aber im Grunde macht es auch Spaß. Das Kapitel „Das Leben des D´Artagnan“ muss ich wohl noch einmal überarbeiten, denn ich habe nach der Lektüre eines französischen Artikels eine vollständig neue Sichtweise auf ihn bekommen. Bisher war er für mich immer der jugendlich strahlende Held aus den Mantel-und-Degen-Filmen meiner Kindheit. Aber in Wahrheit ging er als Mensch und Musketier wohl eher in Richtung „Revolvermann“ (kennt jemand die Bücher von Stephen King?). Und das ist doch eine ganz andere Sichtweise und erfordert eine andere Herangehensweise als zuvor mit meinem romantischen Kinderbild im Kopf.