21. Mai

Es gibt so Tage, an denen einfach gar nichts passiert. Natürlich, im Außen schon; aber innen, dort, wo es drauf ankommt, bewegt sich einfach nichts.

Früher hatte ich an solchen Tagen immer panische Angst, dass das Leben verrinnt und ich es versäume. Und dann bin ich die halbe Nacht durch finstere Straßen gelaufen, immer weiter und weiter, damit ich mich wenigstens in der Dunkelheit und Einsamkeit verlieren kann.

Heute ist das nicht mehr so schlimm (einer der wenigen Vorteile des Älterwerdens) – aber im Grunde ist es noch immer dasselbe: Wenn ich einen Tag nicht lese, keine neuen Gedanken kennenlerne oder irgendetwas sehen kann, das mich interessiert, fühle ich mich verlassen und leer. Mittlerweile schaffe ich es dann, meine Gefühle wenigstens ein oder zwei Tage im Zaum zu halten, ohne unruhig durchs Zimmer zu laufen. Aber dann muss ich mich zurückziehen um zu lesen, zu lernen und Musik zu hören und um mich in meiner Einsamkeit wieder auf das zu konzentrieren, was mich ausmacht.

Zur Zeit habe ich ja das Glück, das ich wöchentlich neue Artikel und Videos bekomme. Aus den verschiedensten Wissensgebieten und vor allem auch über Dinge, von denen ich kaum etwas weiß.

Und ich liebe das ja: Dieses freie Lernen und Schweifen, dieses „wie durch Zufall“ ein neues Thema kennenlernen, um dann den Hintergrund zu recherchieren und zu begreifen und es in das vorhandene Wissen einzufügen. Um so die mir bekannten Dinge neu zu beleuchten und wieder anders zu verstehen (ich glaube, als Glasperlenspieler wäre ich wirklich glücklich gewesen).

Ein ähnliches Erlebnis hatte ich heute auch bei unseren Interviews. Ich kenne die Menschen hinter den Videos und Artikeln natürlich aus Gesprächen und Briefen und dem, was sie auf dem Leiermann einstellen.

Aber es war ein ganz neues Erlebnis, sie einmal darüber reden zu hören. Zu sehen, wie viel Wissen, handwerkliches Können und Arbeit hinter all dem liegt und mit welcher Hingabe und Begeisterung sie sich ihren Werken widmen.

Das warf für mich einen ganz neuen Blick auf die Plattform, der mich seltsam bescheiden und gleichzeitig froh macht.