22. Mai

Ich muss gestehen, dass ich nicht besonders gern schreibe. Ich liebe vielleicht den Gedanken, ein Buch zu schreiben, wälze auch gerne die eine oder andere Idee im Kopf hin und her, aber die Arbeit, das sich Hinsetzen und am Text arbeiten, ist mir meist viel zu anstrengend. Und ich muss mich fast jedes Mal zum Schreibtisch treten, damit ich mich an die Arbeit setze.

Irgendwer hat einmal gesagt: „Ich liebe es, Schriftsteller zu sein, wenn nur die ganze Schreibarbeit nicht wäre.“ Und das kann ich nur allzu gut verstehen.

Aber jetzt habe ich mich selbst an den Schreibtisch gekettet, um die nächsten zehn Tage durchzuarbeiten und mein neues Buch noch im Mai fertigzustellen.

Es ist ja seltsam, wie viel möglich ist, wenn man sich fallen lässt. Das schönste Beispiel ist sicher Honoré de Balzac, aber es gibt noch mehr als ein Dutzend weiterer Schriftsteller, die fleißig waren und in ihrer Lebenszeit ein riesiges Oeuvre erschaffen haben.

Im Grunde meines Herzens bin ich neidisch auf diese Menschen. Ich glaube, dass sie in ihrer eigenen Welt wirklich gelebt haben, dass ihr ganzes Wesen in ihre Bücher geflossen ist und sie darin ewig (oder wenigstens für Jahrhunderte) weiterleben werden.

Und ich glaube, dass ihr Leben, auch wenn es von außen wirr und kompliziert aussah, im Grunde ein glückliches Leben war. Ich bin überzeugt, dass sie den Großteil ihres Lebens wirklich glücklich waren. Auch wenn sie traurig, verzweifelt, am Rande des Ruins oder Wahnsinns waren – sie waren glücklich, weil sie wirklich lebten und das getan haben, wofür sie geschaffen waren.

An manchen Tagen wünsche ich mir nichts mehr, als so zu brennen wie sie.