Seit dem frühen 19. Jahrhundert kennt man den Begriff „Altweibersommer“.

Dazu muss man wissen, dass noch bis etwa 1800 das Jahr nur in Sommer und Winter eingeteilt wurde, wobei man den Frühling und Herbst auch als „Weibersommer“ bezeichnete. Im Laufe der Zeit versah man dann den Frühling mit dem Zusatz „Junger Weibersommer“ und folgerichtig wurde der Herbst auch „Alter Weibersommer“ genannt.

 

Es gibt natürlich regionale Besonderheiten und so kennt man etwa auch die Bezeichnung Ähnlsummer, Mettensommer, Nachsommer, Witwensommer, Michaelssommer, Allerheiligensommer oder fliegender Sommer.

In unseren Breiten aber hat sich die Bezeichnung Altweibersommer durchgesetzt, was sich auch daran zeigt, dass es sie nicht nur im deutschen Sprachgebiet, sondern auch in Ungarn und den slawischen Ländern gibt.  

 

In Frankreich hingegen verwendet man den Begriff „été indien“ (abgeleitet von dem in den Neuenglandstaaten verwendeten Begriff „Indian Summer“), der 1975 durch ein gleichnamiges Lied von Joe Dassin populär wurde.

In den Mittelmeerländern hingegen ist diese Zeit als St.-Martins-Sommer bekannt.

 

Aber wie auch immer man sie nennt, all diese Namen bezeichnen ein und dasselbe Phänomen, das sich seit mindestens 200 Jahren nachweisen lässt, und zwar die jährlich wiederkehrende Schönwetterperiode im Herbst, die meist Mitte September beginnt und spätestens Anfang November vorbei ist.

Ihr wichtigstes Kennzeichen ist ein stabiles Hochdruckgebiet über Mitteleuropa, das sich in klaren, kühlen Nächten und ungewohnt warmen, fast windstillen Tagen zeigt.

 

Ein weiteres charakteristisches Zeichen dieser Jahreszeit sind die feinen Flugfäden, die man überall beobachten kann.

Denn über den warmen Böden entwickeln sich tagsüber leichte Aufwinde, auf denen sich junge Baldachinspinnen durch die Lüfte tragen lassen um neue Reviere und einen guten Platz für den Winter zu finden.  

Nach kühlen Nächten nun lassen sich auf den herumschwebenden Fäden und Spinnnetzen feine Tautropfen nieder, die im hellen Morgenlicht funkeln und an langes, silbergraues Haar erinnern.

 

Lange Zeit nahm man an, dass die Menschen durch diese Silberfäden an das Haar betagter Frauen erinnert wurden und sich daher die Bezeichnung „Altweibersommer“ einbürgerte.

Tatsächlich dürfte der Ursprung dieses Wortes aber ganz woanders liegen.

 

Denn mit dem Begriff „weiben“ wurde im Althochdeutschen einerseits das Knüpfen von Spinnweben bezeichnet, andererseits war es ein Synonym für „wabern“ oder „flattern“.

Heute ist diese Wortbedeutung fast vollständig vergessen, doch in diesem Licht betrachtet merkt man, dass das „Weiber“ in Altweibersommer weniger auf ältere Damen verweist als vielmehr auf die Tätigkeit der Spinnen.

Woraus sich dann eher die Bedeutung „Spätsommer der webenden Spinnen“ oder „der flatternden Spinnweben“ ergeben würde.

 

Im einfachen Volk wurden diese Spinnweben auch für Gespinste von Elfen oder der Nornen gehalten.

In christlichen Ländern glaubte man auch, dass es sich bei den Fäden um Garn aus jenem Mantel der heiligen Jungfrau Maria handle, den sie bei ihrer Himmelfahrt getragen hat.

Daher bezeichnete man die Spinnfäden auch als Marienhaar, Marienfaden, Herbstgarn, Sommerseide oder „Unserer Lieben Frauen Gespinst“ und den Altweibersommer folgerichtig als „Mariensommer“ oder „Fadensommer“.

 

Natürlich gibt es noch weitere Bezeichnungen für diese „Jahreszeit“ und die verschiedensten Theorien zu ihrer Entstehung, aber das scheinen mir die interessantesten zu sein.

Jedenfalls sollte man sich nicht scheuen, sich bei einem Spaziergang mit diesen Fäden zu beschmutzen, denn nach einer alten Überlieferung soll es Glück bringen, wenn sie sich an die Kleidung eines Menschen heften.

Nur junge Frauen sollten sich in Acht nehmen. Denn wenn sich fliegende Spinnfäden in ihrem Haar verfangen, dann verheißt das eine baldige Hochzeit.