Eugène Bozza, der 1905 in Nizza geboren wurde und 1991 in Valenciennes starb war Geiger, Komponist und Dirigent. Seinen ersten Violinunterricht erhielt er beim Vater, der aus Italien stammte.

Schnell bestand Eugène die Aufnahmeprüfung für das Conservatoire de Paris und erspielte sich 1924 einen 1. Preis für Violine. Nach Abschluss des Geigenstudiums trat er in die Kompositionsklasse ein und erhielt auch dort 1931 einen 1.Preis; 1934 gewann er schließlich mit der einaktigen Lyrischen Fantasie La Légende de Roukmāni den begehrten Prix de Rome.

Längst dirigierte er mehr, als er Violine spielte.

Von 1939 bis 1948 war er Erster Dirigent der Opéra-Comique und ging schließlich nach Valenciennes, wo er von 1951 bis 1975 die École nationale de musique leitete.

 

Ein recht trockener, unaufgeregter Lebenslauf ist das und er lässt kaum ahnen, welch großartige, brillante und gerne gespielte Musik der Mann hinter dem Lebenslauf für uns komponiert hat.

Bozzas Werk zeichnet sich durch hohe Instrumentationskunst aus und nicht nur das reiht den Komponisten ein unter die bedeutendsten seiner Generation in Frankreich.

Eigentlich umfasst sein großes Œuvre beinahe alle Genres, jedoch ist der Kammermusik-Anteil wirklich bemerkenswert. Vor allem wir Bläser verdanken ihm zahlreiche und wunderschöne Repertoire-Werke.

Durch den herausragenden Platz, den die Kammermusik in seinem Schaffen einnimmt, sind die größer angelegten Kompositionen Bozzas relativ unbekannt geblieben.

 

Über 40 Werke für oder mit Flöte stammen aus seiner Feder.

Ich spiele besonders gerne seine Musik für Flöte solo. Image op.38 stammt aus dem Jahre 1939 und unterscheidet sich in seiner lieblichen Melodieführung sehr von den vielen Etüden, die zwischen 1960 und 1975 entstanden sind, um den Flötisten im Erlernen der Modernen Musik zu unterstützen.

 Aria, Agrestide und Soir dans les montagnes sind Werke für Flöte und Klavier – sehr unterschiedlich im Schwierigkeitsgrad.

 

Für mich aber der absolute Höhepunkt ist das Flötenquartett Jour d’été à la montagne.

Der 1. Satz Pastorale entführt uns gleich in die typische, von Hirten-und Schäferklängen bestimmte Umgebung. Das Thema wandert durch alle vier Stimmen und entwickelt beinahe hypnotische Fähigkeiten, ehe der Einsatz der Vogelstimmen im letzten Viertel des Satzes wieder für Aufmerksamkeit sorgt.

Der 2. Satz Aux bords du torrent (Der Gebirgsbach) lässt die vier Musiker dann an die Grenzen der Tempogestaltung gelangen. In flirrenden 16tel-Triolen saust der Bach hinab ins Tal, nicht ohne unterwegs auch den einen oder anderen Vogel zu begleiten.

Der folgende 3.Satz mit dem schönen Titel Le chant des fôrets (Gesang der Wälder) ist genau das: ein einziger großer Gesang zu Ehren der Natur. Vom tiefstmöglichen Ton auf unserem Instrument bis weit in die dritte Oktave hinein schwelgen die Flöten in Wohlklang, ehe der 4. und letzte Satz Ronde in fröhlichen Rhythmen und Klängen für einen heiteren Abschluss sorgt.

Vermutlich jedes professionelle Flötenquartett hat dieses Werk schon gespielt und jeder Amateur wird sofort wieder zur Flöte greifen, damit auch er diese schönen, strahlenden Klänge bald produzieren kann. 😊

 

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(A. W.)