Es war einer der letzten schönen Tage des Sommers 1477, als Erzherzog Maximilian von Österreich, der spätere Kaiser Maximilian I., mit seiner Entourage die Ausläufer der Berge erreichte und hinabsah in eine Gegend, deren Name schon damals ein Synonym für paradiesische Fruchtbarkeit war – das im Schein der Sonne wahrhaft goldüberglänzte Königreich Burgund.

 

Burgund, welch ein Zauber umweht noch heute diesen Namen.

Neben Venedig der reichste Staat seiner Zeit schien es vielen wie ein Märchenland voller Zauber und dunkler Gefahr.

Denn innerhalb seiner Grenzen lebten französische Ritter mit ihren altertümlichen Wertvorstellungen neben reichen flämischen und holländischen Bürgern, die man wahrscheinlich als die ersten Kapitalisten unserer Zeit bezeichnen kann.

 

In diese Welt nun ritt ein einfacher Junge, der lieber in den Tiroler Bergen jagte als auf dem Tanzboden zu reüssieren.

Und es muss sich ihm eine vollkommen neue Welt erschlossen haben.

 

Denn alleine schon der Tagesablauf der burgundischen Herrscher war verschieden von all dem, was bisher kannte.

Das begann mit der öffentlichen Morgentoilette des Fürsten, setzte sich über die zahllosen Feste und Aufführungen fort und endete schließlich jeden Abend im Bettgehritual des Herrschers, das für die Untertanen den Untergang der fürstlichen Sonne bedeutete.

 

Diese Kunst der Selbstdarstellung hatten die burgundischen Herrscher im Königreich Byzanz erlernt.

Denn aus ihren Provinzen waren einst mehr Kreuzritter aufgebrochen als aus jedem anderen Land Europas und sie waren die gelehrigen Schüler in der Kunst, einem Staat durch reine Selbstdarstellung Gestalt zu verleihen.

Dies alles mischte sich in der Hand ihrer Fürsten auf eigentümliche Art und Weise mit alten, karolingischen Traditionen und ergab zusammen erst den Zauber dieser Welt, der bis heute spürbar ist.

 

Dorthin kam nun ein armer Kaisersohn aus Deutschland und warb um die Hand der begehrtesten Frau des Abendlandes, der burgundischen Prinzessin.

 

Für ihn war es Liebe auf den ersten Blick. Doch auch wenn er als furchtlos galt und schon einmal aus schieren Übermut zu einem Löwen in den Zwinger stieg, so war er hier doch hilflos und allein.

Denn geblendet vom all dem Reichtum ringsherum und den überlegenen Sitten der burgundischen Adeligen musste er sich wie ein einfacher Bauernsohn gefühlt haben.

Doch genau das dürfte das Herz der um zwei Jahre älteren Maria von Burgund gebrochen haben, denn auch für sie wurde er die eine, große Liebe.

 

Doch das Glück währte nur für kurze Zeit. Schon 1482 verunglückte Maria bei einem gemeinsamen Jagdausflug und ließ Maximilian allein zurück, umgeben von einer Schar an Adligen und Bürgern, die ihm als Ausländer feindlich gegenüberstanden.  

Nur als Vormund des gemeinsamen Sohnes Phillip (des Schönen) durfte er noch einige Zeit ihre Länder verwalten.

 

Aber obwohl Burgund verloren ging und das Reich nur noch in unserer Erinnerung lebt, so ging von ihm doch ein bedeutender kultureller Einfluss aus.

 

Eines der Dinge, die uns an Burgund erinnern sollten, ist der Orden vom Goldenen Vlies, als dessen Großmeister Maximilian seit 1478 residierte und der später zum Hausorden der Habsburger wurde.

Etwas anderes, weniger glänzend und vielleicht nicht so bedeutend, das sich von Burgund aus über den Hof in Wien in ganz Mitteleuropa verbreitete, waren die Gougères, kleine Brandteigkrapfen, die mit geriebenem Käse gefüllt wurden.

 

Schon Mitte des 16. Jh. waren sie so verbreitet, dass sie der Dillinger Koch Balthasar Staindl in seinem Buch „Ain künstlichs und nutzlichs Kochbuch“ als „klaine schwebische Küchlen“ beschreiben konnte.

Und ab dem 18. Jahrhundert waren sie dann im gesamten deutschen Sprachraum als Brandkrapfen oder Brandteigkrapfen bekannt.

 

 

 

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