Am 5. Dezember 1791 starb Wolfgang Amadeus Mozart im Alter von nur 35 Jahren.

Seine Witwe Constanze musste nun nach recht glücklichen Ehejahren knapp 30jährig alleine weiterleben – mit einem Berg Schulden, vielen unsortierten Manuskripten und den beiden kleinen Kinder. Erst im Juli war Franz Xaver zur Welt gekommen als zweites überlebendes von sechs Kinder in acht Jahren Ehe.

 

Zunächst brachte Constanze diese beiden Kinder gut beim befreundeten Ehepaar Duschek unter, das selbst keinen Nachwuchs hatte und Hilfe anbot.

Und ab diesem Zeitpunkt veranstaltete sie in ihrem musikalischen Salon viele Konzerte, auch um so für den eigenen Unterhalt sorgen zu können.  1795/96 unternahm sie gar eine Konzertreise mit Mozarts Werken. Constanze war ja, wie ihre Schwester Aloisia, eine durchaus begabte Sopranistin.

Mozarts zahlreiche Autographe verkaufte sie nicht sofort, obwohl das eine einträgliche Geldquelle gewesen wäre, um schnell ihre finanzielle Not zu lindern. Stattdessen versuchte sie im Kontakt zu unterschiedlichen Verlegern die Edition einer Mozart-Gesamtausgabe zu erreichen.

Von der Oper „Idomeneo“ wurde auf Betreiben Constanzes 1795 ein Klavierauszug erstellt und herausgegeben.

Schon zuvor, 1793, hatte sie den glühenden Mozart-Verehrer Georg Nikolaus Nissen kennengelernt. Der Dänische Diplomat lebte ab 1798 in ihrem Haushalt und war bei der Sichtung und Dokumentation des Mozart-Nachlasses eine große Hilfe.

1800 verkaufte man schließlich alle noch vorhandenen Autographe, darunter die Opern „Figaro“ und „Die Zauberflöte“ wie auch „Eine kleine Nachtmusik“,  an den Verleger Johann Anton André, der bei der Herausgabe große Sorgfalt walten ließ.

Endlich verheiratet, zog das Ehepaar Nissen 1810 nach Kopenhagen. Dort lebten die beiden 10 Jahre lang. Ab 1820 reisten sie viel und ließen sich schließlich 1824 in Salzburg nieder. Längst hatte Georg Nikolaus Nissen mit Hilfe Constanzes die Arbeit an einer Mozart-Biografie begonnen.

Doch erst zwei Jahre nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes konnte Constanze diese fertigstellen und schließlich 1828 eine Veröffentlichung bei Breitkopf & Härtel in Leipzig erreichen.

 

Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte die zweifache Witwe gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Sophie. Diese pflegte die seit einigen Jahren kränkelnde Constanze, wie sie Jahre zuvor auch schon Wolfgang Amadeus gepflegt hatte. Übrigens stammt von Sophie auch die Schilderung der letzten Stunden Mozarts in Nissens Biografie.

 

Constanze Nissen, geborene Weber, verwitwete Mozart  starb am 6.März 1842 im Alter von 80 Jahren. Den Namen Nissen hat sie am längsten getragen und wohl in dieser Zeit auch das größte Glück erlebt. Ohne ihren beständigen Einsatz für das Werk ihres ersten Mannes jedoch, mit dem gemeinsam sie nur ungefähr 10 Jahre ihres langen Lebens verbracht hatte, hätten wir Nachgeborenen wohl kaum dermaßen uneingeschränkte Zugriffsmöglichkeiten auf Mozarts Werk.

 

(A.W.)

 

Dieser Artikel entstand ursprünglich für den Frauen-Blog Fembio.org. von Luise Pusch. Dort kann man auch nachlesen, wie Constanzes Leben vor Wolfgangs Tod verlief: Constance Mozart

 

Literatur: Finke, Gesa: Die Komponistenwitwe Constanze Mozart, Köln 2013