Bereits im frühen Mittelalter wurde in Hirsau im Nordschwarzwald ein Kloster gegründet, das die Reliquien des Heiligen Aurelius beherbergte. Im Laufe der Zeit verfiel das Aureliuskloster jedoch und wurde erst in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wiederaufgebaut. Unter Abt Wilhelm (um 1030-1091) begann ab 1069 die erste Blütezeit des Klosters Hirsau. Das Kloster, das die Lebensform des Klosters Cluny in Burgund übernommen hatte, war im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts sehr beliebt und viele Leute unterschiedlicher Stände traten in den Konvent ein. So wurde das Aureliuskloster bald zu klein und man begann das neue Kloster St. Peter und Paul zu bauen.

 

Verschuldung und Verfall ab dem 12. Jahrhundert

Die Popularität des Klosters war jedoch nicht von langer Dauer. Bereits im 12. Jahrhundert stagnierte die Reformbewegung und das Kloster verlor zunehmend an Bedeutung. Während des gesamten 13. Jahrhunderts kam es zu Veräußerungen von Hirsauer Grundbesitz. Der Konvent schrumpfte und weltliche Gewohnheiten machten sich unter den Mönchen breit. Die Schenkungen an das Kloster nahmen ab und im 14. Jahrhundert war es hoch verschuldet.

 

Die zweite Blütezeit

Seit Anfang des 15. Jahrhunderts kam es unter den Äbten Friedrich und Wolfram Meiser zu Reformbemühungen, um die innere Krise des Klosters zu bewältigen und die desolate wirtschaftliche Lage zu verbessern. Um 1458 schloss sich das Kloster der Bursfelder Union an. Sie war eine Vereinigung von Benediktinerklöstern und ging vom Kloster Bursfeld in Niedersachsen aus. Ziel der Bursfelder Union war es die Ordensregel wieder in ihrer alten Reinheit und Strenge durchzusetzen.

Unter Abt Bernhard von Gernsbach erlebte das Kloster Hirsau in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts schließlich eine geistige Erneuerung des Klosterlebens. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse verbesserten sich und neue Bauwerke entstanden in der Anlage. So ließ Abt Blasius die gesamte Klosteranlage Ende des 15. Jahrhunderts im spätgotischen Stil umbauen. Außerdem erweiterten die Mönche die Bibliothek und richteten eine eigene Buchbinderwerkstatt für die im Kloster gefertigten Handschriften ein. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde schließlich die Marienkapelle erbaut. Sie ist heute eines der wenigen unversehrten Gebäude und nun die Pfarrkirche der evangelischen Kirchengemeinde.

 

Reformation und Säkularisierung

Aber auch die die zweite Hochzeit in der Geschichte des Klosters Hirsau dauerte nicht lange an, da Herzog Ulrich Württemberg 1534 reformierte und 1535 die meisten württembergischen Klöster auflösen ließ. Auf Befehl des Herzogs von Württemberg wurde einige Jahre später in Hirsau eine evangelische Klosterschule eingerichtet, die ihre Schüler auf ein evangelisches Theologiestudium vorbereiten sollte.

Die württembergischen Herzöge nutzten die Klosteranlage aber auch selbst: Zwischen 1589 und 1593 ließ sich Herzog Ludwig dort ein Jagdschloss erbauen, das er und seine Familie für Jagdausflüge, Kur- und Badeaufenthalte nutzten. Die Schlossruine ist heute noch zu sehen.

 

Brand im Pfälzischen Erbfolgekrieg

Bis 1692 existierte die evangelische Klosterschule in Hirsau. Dann steckten französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Klostergebäude und das herzogliche Jagdschloss in Brand. Lediglich die Marienkapelle und der Eulenturm blieben unversehrt. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann man die Ruinen zu sichern und archäologische Grabungen durchzuführen. Die Ruine kann man heute besichtigen.

 

(D. F.)