In dem Action-Film ging es um eine Party, bei der ein Bank-Safe ausgeräumt wurde.“ In diesem unscheinbaren deutschen Satz lassen sich drei englische Begriffe finden, sogenannte Anglizismen. Es gäbe unzählige Beispiele solcher Worte, die Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben. Manche von ihnen können ihre Herkunft kaum verbergen, andere wiederum sind so fest im  Sprachgebrauch verankert, dass wir sie kaum als Anglizismen identifizieren können.

Das geht mir auf den Keks!“ Auch in diesem Satz findet sich ein Wort, das seinen Ursprung im Englischen hat. Denn das Wort „Keks“ war auch einst ein Anglizismus! Es rührt nämlich von dem englischen Wort für Kuchen her – „cake“. Doch wie wurden aus den englischen „cakes“ die deutschen „Kekse“?

 

Im Laufe des 18. Jahrhunderts konnten sich Kaffee, Tee und Kakao in den feineren Kreisen der europäischen Gesellschaft etablieren, flankiert von allerlei süßem Gebäck. Allseits beliebte Kaffeekränzchen nach dem Vorbild der Adligen und Vermögenden verbreiteten sich zunehmend im Laufe des 19. Jahrhunderts in weiteren Bevölkerungsschichten. Insbesondere mit der industriellen Herstellung von Zucker (ab etwa 1850) war eine Vielfalt an Süßgebäck auch für weniger vermögende Kreise erschwinglich. Und dennoch aß bis dato noch niemand Kekse…

Vielerorts nannte man Süßgebäck „Plätzchen“, deren Wortherkunft im lateinischen Wort für Kuchen, „placenta, zu suchen ist. Überdies war auch das Wort „Biskuit“ gebräuchlich, insbesondere für Gebäck nach englischem Vorbild. Der Ursprung dieses Wortes lässt sich ebenfalls im Lateinischen verorten. Dort heißt es „bis coctus [panis]“, was übersetzt „zweimal gebackenes [Brot]“ heißt – zu Deutsch gerne auch „Zwieback“. Doch woher kamen denn nun die Kekse?

Hermann Bahlsen (*1859; †1919) stammte aus einer Tuchhändler- und Goldschmiedefamilie und arbeitete einige Jahre als Kaufmann und Zuckerhändler in London. 1888 wurde er Teilhaber einer Fabrik für englisches Gebäck in Hannover. Ein Jahr später gründete er die „Hannoversche Cakesfabrik H. Bahlsen“. Hier ließ er hochwertige, haltbare und zugleich preiswerte süße Plätzchen nach englischem Vorbild industriell anfertigen, bekannt als „Cakes“ oder „Biscuits“. Seine sogenannten „Butter-Cakes“ taufte er bereits 1892 nach dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (*1646; †1716), was damals gängige Marketing-Strategie war. Ab 1904 vertrieb er seine „Cakes“ in einer kleinen staub- und feuchtigkeitsfesten Packung, der sogenannten TET-Verpackung, was sie haltbarer und vor allem als Reisesnack attraktiv machte.

Und diesen – um passenderweise einen Anglizismus zu bemühen – „unique selling point“ bewarb die Firma Bahlsen mit folgendem Werbespruch: „Was ißt die Menschheit unterwegs? Na selbstverständlich Leibniz-Cakes!“ Nun waren aber zur Jahrhundertwende nur die wenigsten Deutschsprachigen der korrekten englischen Aussprache befähigt und das Wort „Cakes“ stellte sich als wahre Herausforderung dar. Und Interpretationen wie „Kahkes“ oder „Zahkes“ reimten sich nicht so Recht auf das Wort „unterwegs“. 1911 benannte Bahlsen das Produkt um, das nun als Leibniz-„Keks“ in den Reim und die Geschichte einging.

 

Allerdings ergaben sich durch diese drastische Eindeutschung grammatikalische Hürden. Bereits 1899 hatten Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (ADSV) eine Eindeutschung des Begriffs „Cakes“ in Form des Wortes „Keeks“ vorgeschlagen. Und schon damals hatte man beobachtet, dass sich bei der deutschen Variante Einzahl und Mehrzahl in einem gewissen Ungleichgewicht befanden: Statt der englischen Einzahl „cake“ folgend: „Ich möchte einen Keek.“ – sagte man bereits damals: „Ich möchte einen Keeks“.

Wenige Jahre später nahm sich auch der Duden dieses Begriffs an. In der 9. Auflage von 1915 findet sich das Stichwort „Kek“ mit dem Hinweis darauf, dass „Keks“ nur in der Mehrzahl zu verwenden sei. Die 10. Auflage von 1929 bemerkte bereits resignierter, dass man sich fälschlicherweise fast nur der Mehrzahl „Keks“ bediente, und bereits in der 11. Auflage von 1934 hatte sich der „Keks“ als Stichwort durchgesetzt. Der Ursprung des heute geläufigen Plurals, der bereits zur Jahrhundertwende vom ADSV moniert wurde, wird überdies in Berlin vermutet. Denn die Berliner aßen bereits damals keine „Cakes“, sondern „Kekse“.

Über die Herkunft des Ausspruchs „Das geht mir auf den Keks!“ gibt es im Übrigen keine gesicherten Erkenntnisse. Sprachwissenschaftler:innen gehen davon aus, dass er um 1900 ebenfalls in Berlin entstand – als lustige Alternative zu „Das geht mir auf den Geist!“

Doch wie man das Gebäck dreht oder wendet: Bis heute isst man unterwegs, selten Kuchen, lieber Keks.

 

(A. M.)

 

 

Quellen und Literatur:

Bibliographisches Institut Leipzig und Wien (Hg.): Duden – Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter, Leipzig/Wien 1915, „Kek“.
Bibliographisches Institut Leipzig (Hg.): Der große Duden – Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter, Leipzig 1929, „Kek“.
Ders.: Der große Duden – Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter“, Leipzig 1934, „Kek“.
Biskuit. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage, Bd. 2., Leipzig/Wien 1885-1892, S. 981.
Busse, Ulrich: Anglizismen im Duden. Eine Untersuchung zur Darstellung englischen Wortguts in den Ausgaben des Rechtschreibdudens von 1880–1986, Tübingen 1993.
Dunger, Hermann und Ernst Lößnitzer: Deutsche Speisekarte. Verdeutschung der in der Küche und im Gasthofswesen gebräuchlichen entbehrlichen Fremdwörter, 4. Auflage, Berlin 1900, S. 55.
Köster, Rudolf: Eigennamen im deutschen Wortschatz. Ein Lexikon, Berlin 2003, S. 101.
Paraschkewow, Boris: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur. Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen, Berlin 2004, S. 165.
https://www.leibniz.de/de/ueber-uns (abgerufen am 22.03.2021).