Zu Beginn des 16. Jahrhunderts herrschte Unruhe innerhalb des franziskanischen Ordens. Viele Brüder sahen das große Ideal des Franz von Assisi verraten und sehnten sich nach einem einfachen Leben im Dienst an den Armen und Bedürftigen.

Deshalb verließ im Frühjahr 1525 der Mönch Mateo de Bascio unerlaubterweise die Ordensgemeinschaft, denn er wollte nach dem Vorbild des hl. Franziskus mittellos durch die Welt ziehen und den Menschen dienen.

 

Bald schlossen sich ihm zwei weitere Ordensbrüder an, und um diesem Ungehorsam Einhalt zu gebieten entschied ihr Abt, sie aus dem Orden zu verbannen.

Verachtet und gemieden zogen sie nun durch das Land, bis sie 1527 während einer Pestepidemie freiwillig ihr Leben aufs Spiel setzten, um die Kranken zu pflegen und auf ihrem letzten Wege zu begleiten.

Als Lohn dafür erhielten sie vom Papst ein Schutzschreiben für ihre weitere Tätigkeit.

 

Sie durften nun als Wanderprediger durch die Lande ziehen, eigene Obere wählen und weitere Brüder aufnehmen.

Außerdem wurde ihnen das Tragen einer eigenen Ordenstracht erlaubt, die aus einer kastanienbraunen Kutte und einer spitz zulaufenden Kapuze bestand.

Wegen dieser Kapuze wurden sie vom einfachen Volk als Kapuziner bezeichnet und als sie durch die Dörfer zogen, rannten die Kinder herbei und riefen „Cappucini, cappucini!“ (Die Kapuzen kommen!).

 

Mehr als dreihundert Jahre später ist Wien die Hauptstadt des allerchristlichsten Königs und die Kapuziner sind im Volke hoch angesehen.

Wahrscheinlich auch deshalb wurde die neue Kaffeespezialität, die aus einem Mokka, dem man ein paar Tropfen Schlagobers beimischte und die in der Farbe an die hellbraune Ordenstracht des Bettelordens erinnerte, als Kapuziner bezeichnet.

 

Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende.

Während des Ersten Weltkriegs waren viele österreichische Soldaten in Italien stationiert. Auch dort wollten sie nicht auf ihre gewohnten Spezialitäten verzichten und vor allem war es der Wiener Kaffee, nach dem sie sich sehnten.

Daher bemühten sich die italienischen Kaffeehausbesitzer, ihnen diesen Wunsch zu erfüllen, und lernten, den Kapuziner zuzubereiten.

Sie übersetzten auch seinen Namen wieder zurück in seine ursprüngliche Form und bezeichneten ihn als „Capuccio“, also Kapuze, woraus sich dann später das Wort Cappuccino ableitete.

 

Als in den sechziger Jahren moderne Espressomaschinen aufkamen, entwickelten sie eine weniger üppige Kapuziner-Variante mit aufgeschäumter Milch anstatt der Sahne.

Und von hier aus wurde der Cappuccino schließlich durch Urlauber und italienische Gastarbeiter in allen Ländern Europas verbreitet und wurde zu dem Getränk, als das wir es heute lieben.

 

Die später in Deutschland entstandene und rasch auch in Österreich verbreitete Variante mit einer Haube aus Schlagobers anstatt des Milchschaums ist übrigens kein Cappuccino mehr, sondern ein „Franziskaner“.

Womit sich der Kreis dann endgültig geschlossen hat!

 

Mehr zur Geschichte des Kaffees, Geschichten und Anekdoten rund um die europäische Kaffeehauskultur (inklusive mehr als 30 Zubereitungsarten aus aller Welt) gibt es in meinem Buch zu lesen.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von ws-eu.amazon-adsystem.com zu laden.

Inhalt laden