Die Geschichten, die sich um die sogenannten Geisterschiffe ranken, sind fast so alt wie die Seefahrt selbst.

Was nicht weiter verwundern darf. Denn ohne rechte Kenntnis von Heilkunst und Medizin brachen auf dem Meer immer wieder Seuchen aus, und kein vorbeifahrender Kapitän war verrückt genug, die erkrankte Besatzung eines solchen Schiffes aufzunehmen.

Auch in den Häfen durften sie nicht anlanden und so trieben sie, nachdem die Besatzung gestorben war, noch jahrelang ziellos auf den Weltmeeren herum.

 

Das passierte übrigens gar nicht so selten, wie man heute vielleicht glauben könnte.

Allein für das Jahr 1869 sind mehr als 200 Fälle bekannt, in denen die gesamte Besatzung eines Schiffes verstarb und dieses verlassen auf dem Meer zurückblieb.

 

Von allen Legenden, die sich um diese „Geisterschiffe“ ranken, ist die vom „Fliegenden Holländer“ sicher die bekannteste.

Sie handelt von einem Kapitän, der durch einen Fluch dazu verdammt war, bis zum jüngsten Tag auf dem Meer umherzuirren, ohne je in einen Hafen einlaufen oder Erlösung im Tod finden zu dürfen.

 

Den wahren Hintergrund bildet die Geschichte rund um den niederländischen Kapitäns Bernard Fokke, dem es eines Tages nicht gelang, das Kap der Guten Hoffnung zu umsegeln.

Dabei hatte er diese Reise schon unzählige Male gemacht. Er war sogar bekannt dafür, die Handelsroute zwischen den Niederlanden und der Gewürzinsel Java in der Hälfte der üblichen Reisedauer zurückzulegen.

Sein Geheimnis dabei war, dass er Rahen aus Eisen verwendete und daher fast immer unter vollen Segeln fahren konnte.

 

Doch eines Tages war es ihm unmöglich, das Kap der Guten Hoffnung zu umfahren, und voller Wut verfluchte er Gott.

Seit diesem Tage wurde er angeblich nie mehr gesehen und es scheint, als wäre er dazu verdammt, für immer einsam über die Weltmeere zu segeln und niemals Ruhe zu finden.

 

Aber nicht nur das: für andere Seefahrer bedeutete allein schon der Anblick seines Schiffes Tod und Unglück!

Deshalb nahm jeder, der nur von Weitem den schwarzen Rumpf und die roten Segel des „Holländers“ sah, sofort Reißaus und dankte Gott für seine Errettung.

Die Bekanntheit dieser Legende erklärt sich nicht nur aus dem Seemannsgarn, das leichtfertige Matrosen und alte Seebären nach einem Krug Rum so von sich gaben, sondern auch daraus, dass sich viele Dichter dieser Geschichte annahmen.

Darunter sind so bekannte Namen wie etwa S. T. Coleridge oder W. Irving, aber auch deutschsprachige Autoren ließen sich davon inspirieren wie etwa Wilhelm Hauff oder Heinrich Heine.

 

Aber die bekannteste Adaption dieser Geschichte ist sicher die Oper „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner, die 1843 in Dresden uraufgeführt wurde.

Er schrieb sie unter dem Eindruck einer mit Glück überwundenen Seereise, reicherte sie um eine verzweifelte Liebesgeschichte an und verlegte ihre Handlung vom Kap der Guten Hoffnung ins Meer vor Norwegen.

Heute gilt sie als das Werk, das Wagners Durchbruch zu einem eigenen Stil markiert und wird regelmäßig aufgeführt.