Hemmenhofen ist ein kleiner Ort auf der Bodenseehalbinsel Höri. Dort lebte der Maler Otto Dix fast 33 Jahre lang. Das Haus, in dem er mit seiner Familie gewohnt hat, ist heute ein überaus sehenswertes Museum, das Einblick in das Leben der Künstlerfamilie Dix gibt.

Otto Dix wurde 1891 bei Gera geboren. In Berlin, Düsseldorf und Dresden hat er gelebt und gearbeitet. Dort ist er berühmt geworden. Von 1927 bis 1933 war er Professor an der Dresdner Kunstakademie, wurde dann jedoch als einer der ersten Künstler von den Nationalsozialisten entlassen. Er war einer der wichtigsten Vertreter der Kunstrichtung Neue Sachlichkeit und seine Bilder wurden im Dritten Reich als „Entartete Kunst“ stigmatisiert. Als „entartet“ bezeichneten die Nazis alle Formen moderner Kunst. Aber auch Werke jüdischer und kommunistischer Künstler wurden mit dem Begriff belegt.

 

Von Dresden an den Bodensee

Kaum jemand mehr wollte die Bilder von Otto Dix ausstellen oder kaufen. Ab 1934 hatte er Ausstellungsverbot in Deutschland. Das machte sich natürlich auch finanziell stark bemerkbar. Zusammen mit seiner Frau Martha und den drei Kindern Nelly, Ursus und Jan zog er nach Südbaden, wo die Familie einige Zeit auf Schloss Randegg im Hegau lebte. Als sein Schwiegervater starb und seiner Tochter eine beträchtliche Erbschaft hinterließ, verbesserte sich die finanzielle Lage der Familie. Sie konnten ein Grundstück in Hemmenhofen auf der Höri erwerben. Der Dresdner Architekt Arno Schelcher baute ihnen hier 1936 ein großes Haus.

 

Wieso nun verschlug es Otto Dix, einen Mann, der das Großstadtleben liebte, auf die ländliche Höri? Die malerische Landschaft der Bodenseehalbinsel, die er – obwohl er sie anfänglich „zum Kotzen schön“ fand – künftig häufig malen würde, spielte sicher eine Rolle. Ebenso wie die unmittelbare Nähe zur Schweiz ein Grund für die Ortswahl war. Außerdem hatten sich auch andere Künstler in den Ortschaften auf der Höri niedergelassen. Dem sogenannten „Höri-Kreis“ gehörten beispielsweise die Maler Helmuth Macke und Max Ackermann an. Ebenso der von den Nazis entlassene ehemalige Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie Walter Kaesbach und später auch der Maler Erich Heckl. Unabhängig von politischen Umständen hatte es aber auch früher schon andere Künstler in die Gegend gezogen: Bereits 1907 hatte sich Hermann Hesse in Gaienhofen ein Haus erbauen lassen, welches er allerdings einige Jahre später wieder verkaufte.

Das Haus in dem Dix fortan mit seiner Familie lebte, steht auf einer Anhöhe mit Blick auf den Bodensee und das Schweizer Ufer. In dem dreistöckigen Gebäude hatte sich der Maler auch ein großes, helles Atelier eingerichtet. Bis zu seinem Tod 1969 sollte es ein zu Hause bleiben.

 

(D. F.)