Mit Achtzehn hatte ich eine Freundin mit der ich alles teilte, meine Gedanken, meine Träume und meine Sehnsucht. Wir waren nie ein Liebespaar, aber dafür so vertraut wie Bruder und Schwester.

Eines Tages rief sie mich an und erzählte, dass sie von ihrer Mutter ein Buch bekommen habe. „Über einen blöden Vogel. Mit der Widmung: Lern fliegen! Sag, spinnt die?“

Sie kam aus einer reichen Familie und hatte zum Geburtstag wohl ein Auto oder eine Kreuzfahrt erwartet. Und nicht ein wenig bedrucktes Papier. 

 

Ich vergaß die Geschichte bis ich einige Monate später ein kleines Buch fand, das hinter ihrem Schreibtisch steckte. Da ich damals alles las was ich in die Finger bekam, begann ich darin zu blättern.

Und war vom ersten Augenblick an hingerissen. Das war genau das wonach ich suchte. Hier beschrieb jemand meine innersten Träume, meine Sehnsucht nach einem wirklichen Leben, nach Freiheit und Leidenschaft.

Einen Weg, um nicht den Rest meiner Tage in Knechtschaft zu verbringen im Kampf um mein tägliches Brot. Sondern etwas zu finden wofür es sich lohnt zu leben, etwas, das wichtiger war als ein Auto, ein eigenes Haus oder die Anerkennung meiner Familie.

 

Und diese kleine Möwe zeigte einen Weg, den man gehen konnte!

 

Meine Freundin musste damals bemerkt haben wie es um mich steht. Aber das erste Mal in unserer gemeinsamen Zeit verstand sie mich nicht. Wo ich einen Lehrer für mein Leben sah, da bemerkte sie nur einen schmutzigen Vogel.

Ich glaube das war der Anfang vom Ende. Wir waren danach noch Jahre befreundet, aber wir gingen verschiedene Wege. Sie besuchte eine Eliteuniversität und stürzte sich in das Wirtschaftsunternehmen ihrer Eltern.

 

Ich entschied mich für einen Weg von dem ich glaubte, dass er mich zu mir selbst führen würde. Und doch nur mein Leben ins Chaos stürzte.

Es folgten Jahre des Leids. Jahre voller Trauer und Schmerz, immer mit der Hoffnung auf neue Pfade.

Das Einzige, das mich durch diese Zeit trug, war die Erinnerung an die Bücher.

 

Die Erinnerung an die Möwe Jonathan.

Und dafür bin ich meiner damaligen Freundin bis heute dankbar.

 

Sie hieß Eva.

 

 

 

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