Kaiser Joseph I. bestimmte im Jahr 1710, dass die zurückgebliebenen osmanischen Geschütze und Geschosse nach der 2. Belagerung Wiens (1683) für die Herstellung einer Glocke für den Stephansdom verwendet wurden.

 

Der gebürtige Innsbrucker Johann Achamer führte den Auftrag aus; seine Werkstatt „Zum goldenen Stuck“ befand sich in der heutigen Burggasse 55 im 7. Bezirk. Für diese Arbeit musste der Kanonengießer erst einen passenden Gussofen bauen lassen, da keiner der bestehenden groß genug war. Am 21. Juli 1711 wurde die 3,2 m große und 22.500 kg schwere Pummerin gegossen.

Ihre Größe stellte ein Problem für den Transport dar, denn sie passte nur durch eines der Stadttore Wiens, nämlich das Rotenturmtor. Außerdem musste man einige Fundamente von Häusern und Straßen mit Säulen verstärken, an denen die schwere Glocke vorbeigezogen wurde: heute kann man noch 2 „Josephinische Säulen“ sehen, nämlich im Zwölf-Apostelkeller und im Geschäft „Porta Dextra“.

Der Transport der Glocke dauerte eine Woche (29. Oktober – 6. November), da 200 Männer sie um die halbe Stadt ziehen mussten. Der Zug glich einer Prozession: die Glocke war geschmückt und viele Menschen waren anwesend, um die riesige Glocke zu bestaunen. Um sie ins Innere des Stephansdoms zu bekommen, wurde das Gewände des Riesentors ausgebrochen. Nach der Weihung am 15. November wurde sie im Südturm aufgehängt. Kaiser Joseph I. erlebte die Fertigstellung seiner „Josephinischen Glocke“ nicht. Erst später wurde sie wegen ihres tiefen Klanges „Pummerin“ genannt.

 

Im 2. Weltkrieg stürzte sie beim Brand des Stephansdoms zu Boden und zerschellte. In St. Florian wurde sie neu gegossen und 1957 am Nordturm aufgehängt. Wie auch bei der ersten Glocke musste man Steine beim Riesentor entfernen, um sie ins Dominnere zu bekommen.

 

Die 3 Inschriften auf der Glocke lauten:

– “FVSA EX PRAEDA TVRCORVM VRBE EXSANGVI HOSTIS POTENTIA FORTITER SVPERATA IVBILANTE” = „Gegossen bin ich aus der Beute der Türken, als die ausgeblutete Stadt nach tapferer Überwindung der feindlichen Macht jubilierte.“ 1711.

– “CONFRACTA INCENDII AESTV RVI EX TVRRI VASTATA VRBE BELLO ANGOREQVE GEMENTE” = „Geborsten bin ich in der Glut des Brandes. Ich stürzte aus dem verwüsteten Turm, als die Stadt unter Krieg und Ängsten seufzte.“ 1945.

– “RESTAVRATA THEODORO CARDINALI INNITZER HENRICO GLEISSNER NAVANTE GEISZ CAROLO OPIFICE CONSECRATA REGINAE AVSTRIAE VT POTENTI EIVS PRECE SIT PAX IN LIBERTATE” = „Wiederhergestellt unter Kardinal Theodor Innitzer, über Bemühung von Heinrich Gleißner durch den Werkmeister Karl Geisz. Geweiht der Königin von Österreich, damit durch ihre mächtige Fürbitte Friede sei in Freiheit.“ 1951.

 

Auch heute noch ist sie Österreichs größte (314 cm Durchmesser) und schwerste Glocke (21.383 kg). Sie wird zu hohen Festtagen und besonderen Anlässen geläutet: in der Osternachtfeier, am Ostersonntag, am Pfingstsonntag, zu Fronleichnam, zum Domweihfest am 23. April gefeiert wird, zu Allerseelen, zu Weihnachten, am Stephanitag, zu Silvester um Punkt Mitternacht, zur Wahl und beim Tod des Papstes sowie zur Inthronisation und beim Tod des Erzbischofs von Wien.

 

(K. M.)