Die Stadt Regensburg, die sich bis zum 11. Jahrhundert aus einem befestigten Römerlager zu einer der bedeutendsten und reichsten Städte des Heiligen Römischen Reiches entwickelt hatte, besitzt zwei bekannte Wahrzeichen.

Das eine ist der Regensburger Dom, der noch heute das Stadtbild prägt und ein beliebtes Touristenziel ist.

Noch bedeutender jedoch, vor allem, was die Entwicklung der Stadt angeht, ist die „Steinerne Brücke“, ein allgemein anerkanntes Meisterwerk der mittelalterlichen Baukunst und zugleich die älteste erhaltene Brücke Deutschlands.

 

Der Reichtum Regensburgs stammt seit jeher aus dem Fernhandel mit Gewürzen und dabei vor allem mit Salz.

Um dabei nicht allein auf den Handel über den Wasserweg beschränkt zu sein, sondern ihn auch zu Lande zu sichern, entschlossen sich die reichen Handelsherren der Stadt, hier eine Brücke zu bauen und wurden dabei vom bayrischen Herzogs Heinrich dem Stolzen unterstützt.

Das war eine äußerst bedeutende Entscheidung, denn zu diesem Zeitpunkt gab es im Umkreis mehrerer Tagesreisen weder stromauf noch -abwärts eine feste Donaubrücke.

 

Das Vorhaben sollte sich für die Stadt bald als Segen erweisen. Denn nicht entstand hier die einzige Brücke zwischen Ulm und Wien und damit die günstigste Landverbindung der Fernhandelswege aus dem Süden mit den Absatzgebieten im Norden, was die Stadt zu einem Hauptumschlagplatz für Waren aller Art machte.

Sondern die Stadt erschloss sich hier eine zusätzliche Einnahmequelle durch den Brückenzoll, den die Kaufleute und andere Reisende entrichten mussten.

 

Der Bau wurde 1135 in Angriff genommen und konnte innerhalb von nur 11 Jahren abgeschlossen werden.

Das war eine beachtliche Leistung, denn vor dem eigentlichen Brückenbau musste man direkt im Fluss Fundamente für die Pfeiler errichten, was mit den damaligen technischen Möglichkeiten nur bei Niedrigwasser möglich war. Erst dann konnte man die sechzehn gewaltigen Pfeiler aufbauen, die noch heute die 308 Meter lang Brücke tragen.

 

Natürlich ranken sich um ihre Entstehung die verschiedensten Sagen und Geschichten. Sie resultieren nicht zuletzt aus dem mittelalterlichen Glauben heraus, dass die Errichtung von Bauwerken im Wasser nur mit Hilfe des Teufels möglich sei.

Eine der Geschichten handelt von einer Wette zwischen dem Erbauer der Brücke und dem Baumeister des Domes, der zur selben Zeit sein Werk in Angriff nahm. Sehr zum Ärger des Brückenbauers schritt der Bau am Dom rasch voran und so beschloss er, einen Pakt mit dem Teufel einzugehen.

Dieser versprach ihm Beistand und Hilfe, wenn ihm der Baumeister dafür die ersten drei Seelen schenkte, welche die Brücke überquerten. Von diesem Augenblick an ging alles wie von Zauberhand und die Brücke wurde als Erstes fertiggestellt.

Der Dombaumeister aber stürzte sich in dem Augenblick von der Spitze seines Domes herab in den Tod, als er die hellen Hammerschläge vernahm, mit denen der Schlussstein in die Brücke eingefügt wurde.

 

Aber auch der Brückenmeister konnte seines Lebens nicht mehr froh werden, denn nun musste er dem Teufel als Bezahlung drei Seelen beschaffen.

In seiner Not wandte er sich an einen alten Kapuziner, der ihm empfahl, drei Tiere über die Brücke zu treiben. Der Baumeister hörte auf diesen Rat und aus Rache dafür versuchte der Teufel, die Brücke wieder zu zerstören.

Doch das wollte ihm nicht gelingen und er erreichte nur, dass sich auf der Fahrspur ein Buckel bildete, der noch heute als besonderes Merkmal der Brücke gilt.

 

Aufmerksamen Besuchern ist auf der Brücke sicher schon das „Bruckmandl“ aufgefallen. Es ist dies eine Steinfigur, die einen Jüngling darstellt – eine Erinnerung an den jungen Mann, der während des Baus der Brücke hier stand und den Brückenmeister stets über den Fortschritt des Dombaus auf dem Laufenden hielt.

 

Wie gesagt, das ist eine schöne Geschichte, die aber so nicht stimmen kann. Denn mit dem Bau des Domes wurde erst 1273 begonnen, also mehr als 100 Jahre nach der Eröffnung der Brücke.

Aber die Brücke an sich ist nichtsdestotrotz eine beachtliche Meisterleistung mittelalterlicher Baukunst, die man auch heute noch bewundern kann und die für mehr als 800 Jahre die einzige Möglichkeit war, die Donau in Regensburg und Umgebung zu überqueren.