Als der Kaiser Theodosius im Jahr 395 starb, hielt der Kirchenvater Ambrosius eine berühmte und bis heute überlieferte Leichenrede auf den großen Förderer des Christentums und letzten Herrscher des römischen Gesamtreiches.

Der Tod des Theodosius war jedoch auch die Geburtsstunde einer Legende, die Oberitalien fortan über Jahrhunderte beeinflussen sollte.

 

In seiner Rede sprach Ambrosius nämlich ebenfalls von einer wertvollen Krone, die neben dem toten Kaiser präsentiert wurde. Sie war aus Eisen gemacht und befand sich ursprünglich im Besitz Kaiser Konstantins des Großen. Mit dieser ersten Erwähnung begann bereits die Legendenbildung. Sie sei über Konstantin zu Theodosius gelangt, von Gotenkönig Theoderich zu Frankenkönig Karl – all diesen Herrschern gemein ist nur der Zusatz „der Große“.

In widersprüchlichen Versionen berichteten die zahlreichen mittelalterlichen Sagen über diese Eiserne Krone der Lombardei, die sich heute im Domschatz zu Monza befindet. Der kleine goldene Reif vereint aus kunsthistorischer Sicht in der Tat die Tradition der spätrömischen Herrscherdiademe mit westgotischen und frühromanischen Elementen.

 

Die jüngere Forschung datiert ihn jedoch in das frühe neunte Jahrhundert – eine Funktion als Königskrone des zu diesem Zeitpunkt bereits untergegangenen Lombardenreichs fällt damit aus. Mit einem Durchmesser von 15 Zentimetern wird auch die grundsätzliche Nutzung als Kopfschmuck unwahrscheinlich.

Der wertvoll verzierte Reif kann als Votivkrone klassifiziert werden – eine wahrscheinlich fränkische Stiftung an den Dom von Monza.

 

Die sogenannte Eiserne Krone sollte jedoch nach dem Ende des Mittelalters nur noch dreimal das Haupt von Herrschern schmücken.

 

Die erste belegte Nutzung erfolgte im Jahr 1530 in Bologna durch Karl V., dem Kaiser, in dessen Reich die Sonne niemals unterging.

Karl hatte mit zahlreichen Komplikationen zu kämpfen. Kriege gegen die Osmanen und Frankreich ergänzten die inneren Auseinandersetzungen und das Ausschreiten der Reformation. Der Habsburger war der letzte vom Papst gekrönte Monarch und ein Verfechter der von seinem Großkanzler ausgearbeiteten Idee einer europäisch-christlichen Universalmonarchie. Karl befand sich in der Folge in einem Wettstreit um die Hegemonie mit dem französischen König.

Als er 1530 die Kaiserkrone und die Eiserne Krone erhielt, befand er sich nach großen Siegen im strategisch bedeutsamen Italien auf dem Höhepunkt seiner Macht.

 

Knappe 240 Jahre später sollte der unverhofft erfolgreiche Italienfeldzug Napoleon Bonaparte zu einem Machtfaktor, Volksheld und Hoffnungsträger im revolutionär-direktorialzeitlichen Frankreich aufsteigen lassen. Er strebte zunehmend energisch nach politischer Einflussnahme.

In ihm kulminierten Talent, Ambition, aber auch bald schon despotisch-größenwahnsinnige Tendenzen. Dennoch setzte er wesentliche Reformen für Frankreich und Europa in Gang.

Der Erhalt der Eisernen Krone ein Jahr nach seiner Kaiserkrönung in Paris fällt mit dem Höhepunkt seiner Macht zusammen.

 

Das noch von Napoleon angeregte Kaisertum von Österreich-Ungarn fand 1835 in Ferdinand I. eine durchaus problematische Herrscherfigur.

Als Kind des letzten Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Franz I., und später Schwager Napoleons befand sich der in seiner Kindheit als schwer erziehbar geltende und unter Epilepsie leidende Habsburger in einem heterogenen Herrschaftsgebiet wieder. Eine Kaiserkrönung war in dem restaurativ-autokratischen Metternichschen System nach dem Wiener Kongress nicht nötig.

Er erhielt als letzter Herrscher die böhmische Wenzelskrone und die lombardische Eiserne Krone – beides ein bloßer Formalakt. Die Habsburgermonarchie bediente sich auch noch im voranschreitenden, industriellen 19. Jahrhundert der traditionellen Symbole und Inszenierungsstrukturen. Als entscheidungsschwach und regierungsunfähig geltender Monarch sah sich Ferdinand mit den wachsenden Problemen seiner Zeit jedoch überfordert.

Nach dem Ausbruch der Märzrevolution dankte er Ende 1848 resigniert ab und zog sich bis an sein Lebensende zurück.

 

Die Eiserne Krone gilt als ein kunsthistorisch wertvolles und für die Stadt Monza identitätsstiftendes Kleinod. So ist sie bis heute auch heraldischer Bestandteil des Stadtwappens von Monza.

 

(Ch. Sch.)