Die Blumeninsel Mainau gehört zu den meistbesuchten Attraktionen am Bodensee. Es gibt nur wenige Reisegruppen, die an den Bodensee kommen und nicht Station auf der Mainau machen. Die Insel hat außerdem auch eine interessante Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückgeht. 

 

Der Deutsche Orden

Die erste erhaltene urkundliche Erwähnung der Mainau stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Damals gehörte die Insel zum Kloster Reichenau. Um 1265 ließen sich die ersten Ritter des Deutschen Ordens, am Bodensee nieder. Zunächst hatten sie ihren Sitz auf Burg Sandegg im Thurgau, ab 1271 dann auf der Mainau. Im Laufe der Zeit kamen weitere Ländereien am Südufer des Überlinger Sees in den Besitz des Ordens und die Kommende (Niederlassung) Mainau wurde zu einer der größten und mächtigsten in der Ballei (Verwaltungsbezirk) Elsass-Burgund.

 

Die Mainau im Besitz des Großherzogtums Baden und des schwedischen Königshauses

Durch die Säkularisierung fiel die Mainau 1806 an das Großherzogtum Baden und erlebte in den nächsten Jahrzehnten etliche Besitzerwechsel. 1853 kaufte schließlich Großherzog Friedrich I. von Baden die Insel und richtete dort seine Sommerresidenz ein. Außerdem begann er die Insel mit seltenen und exotischen Bäumen und Pflanzen zu bepflanzen und ließ die erste Brücke zum Festland bauen. Nach seinem Tod vermachte sein Sohn die Insel seiner Schwester Viktoria, der Königin von Schweden.

Viktorias Sohn übertrug die Verwaltung der Insel 1932 seinem Sohn Lennart Bernadotte, der durch die Heirat mit einer Bürgerlichen sämtliche Titel verloren hatte. Lennart Bernadotte verließ mit seiner Familie Schweden und ließ sich auf der Mainau nieder. Er begann bald damit die verwilderten Parkanlagen der Insel wieder in Stand zu setzen und auszubauen. Auch für Besucher wurde die Insel geöffnet.

 

Geschichte der Mainau im 2. Weltkrieg

Lennart Bernadotte und seine Familie verließen Deutschland vor Kriegsbeginn. Die Kriegsjahre verbrachte die Familie in Schweden. 1943 verpachtete Lennart Bernadotte die Mainau an die Organisation Todt, die bautechnische Organisation des Rüstungsministeriums. Geplant war, hier ein Erholungsheim für Rüstungsindustrielle sowie für Gäste und Mitarbeiter von Albert Speer zu errichten. Letztendlich wurde aus dem Erholungsheim jedoch nichts, denn 1944 wurde die Insel vom Auswärtigen Amt französischen Kollaborateuren unter der Führung von Jaques Doriot zugewiesen. Doriot proklamierte von der Mainau aus die Befreiung Frankreichs von „der gaullistisch-kommunistischen Herrschaft“. Im Februar 1945 kam er ums Leben, als sein Auto von Tieffliegern beschossen wurde.

 

Die Mainau unter französischer Besatzung

Nach Doriots Tod flohen seine Anhänger und kurz vor Kriegsende richtete man auf der Mainau ein Reservelazarett ein. Am 26.04.1945 wurde Konstanz kampflos von französischen Truppen besetzt und im Mai requirierten die Franzosen die Inseln Mainau und Reichenau für die Unterbringung von französischen KZ-Häftlingen aus Dachau. 33 von ihnen starben auf der Mainau, die anderen wurde im September 1945 nach Frankreich zurückgebracht und das Lazarett aufgelöst. Lennart Bernadotte kehrte 1946 auf die Mainau zurück und die Insel wurde bereits im selben Jahr wieder für Besucher geöffnet.

 

Die Blumeninsel heute

Nach den Inseln Reichenau und Lindau ist die Mainau mit ungefähr 45 Hektar Fläche die drittgrößte Insel im Bodensee und gehört geographisch zu Konstanz. Seit 1974 ist sie im Besitz der Lennart-Bernadotte-Stiftung. Die Mainau zieht mit ihrer Pflanzenvielfalt, dem Schmetterlingshaus und dem wunderschönen Barockschloss jedes Jahr viele Besucher an.

 

(D. F.)