Die Geschichte der Ägäisvölker ist lang und verworren. Sprechen wir von der antiken griechischen Geschichte, so umfasst das einen langen Zeitraum von mindestens zwei Jahrtausenden. Griechenland gilt als Wiege der europäischen Zivilisation. Hier entstanden Philosophie und Demokratie, hier wurden das Theater erfunden und zahllose naturwissenschaftliche Erkenntnisse getroffen. Diese kulturelle und politische Blütezeit fällt in die beiden Epochen der Archaik (800-500 v. Chr.) und Klassik (500-336 v. Chr.), also den Zeitabschnitt zwischen dem Ende der sogenannten Dunklen Jahrhunderte und den Eroberungen Alexanders des Großen.

 

Nach dem Ende der mykenischen Kultur bildete sich bis circa 800 vor Christus die Vorform der griechischen Kultur heraus. Das Zeitalter der griechischen Archaik begann. Es entstanden einzelne Stadtstaaten, die sogenannten poleis, vor allem an den Küsten und auf den Inseln. Landwirtschaft und Fischfang waren im ansonsten gebirgigen und unwegsamen Griechenland nur dort möglich. Jede dieser insgesamt fast tausend Städte besaß eine Stadtmauer, Tempel und einen zentralen Platz, die agora. Hier wurden Märkte, aber auch politische Versammlungen und Abstimmungen abgehalten. Ebenso typisch war eine akropolis, also ein befestigtes Burghügel. Um die Städte erstreckte sich der chora, also das Ackerland, welches die Bürger versorgte. Hier gab es noch verstreute Dörfer und Weiler, dahinter begann die Wildnis. Für jede polis, egal wo sie lag, war jedoch vor allem eines wichtig: der Zugang zum Meer.

 

Ab 800 vor Christus blühten der Handel und damit vor allem der Seehandel nämlich wieder auf und es entstand ein intensiver Austausch mit anderen Völkern wie den Ägyptern oder Phöniziern. Von letzteren importierten die Griechen am Ende der Dunklen Jahrhunderte auch die Schrift und modifizierten sie zum griechischen Alphabet. In dieser Zeit entstanden wohl auch die berühmten Schriften des Homer über den Trojanischen Krieg und die Irrfahrten des Odysseus, die für Jahrhunderte identitätsstiftend für „das Griechentum“ werden sollten. Fast genauso wichtig waren die Schriften Hesiods, der als Erfinder des Lehrgedichts gilt und in seinen Dichtungen die griechische Weltanschauung und Mythologie darlegte.

Die gemeinsamen Götter und überregionale Sportereignisse wie die Panhellenischen Spiele, zu denen auch die Olympischen Spiele gehörten, sorgten für ein grundlegendes Zusammengehörigkeitsgefühl. Gerade Olympia, wo sich ein Heiligtum des Zeus befand und Delphi, wo ein wichtiges Orakel des Gottes Apollon war, entwickelten sich zu Zentren des „Gesamtgriechentums“. Es war den Griechen sehr klar, wer und was ein Grieche oder ein Nicht-Grieche war. Nichtsdestotrotz war Krieg an der Tagesordnung: Jede polis verteidigte ihre Autonomie und Streitigkeiten zwischen den zahlreichen Stadtstaaten waren an der Tagesordnung. Auf dem griechischen Festland wetteiferten verschiedene Städte um die Vorherrschaft.

 

Spätestens nach den Perserkriegen (ca. 500-479 v. Chr.) begann die Zeit der griechischen Klassik. Denkt man heute an die großen Leistungen und die Blütezeit der griechischen Kultur, so ist meist dieser Zeitabschnitt gemeint. Die Künste und Literatur, die Philosophie und die Demokratie erlebten hier eine unglaubliche Entfaltung. Berühmte Kunstwerke und Bauten wurden in dieser Zeit geschaffen, wie zum Beispiel auch die Akropolis von Athen.

Die gesamte Ära war jedoch auch vom Machtkampf zwischen Athen und Sparta gekennzeichnet, der letztendlich in den Peloponnesischen Krieg mündete. Nach fast dreißig Jahren des wechselvollen Verlaufes siegte zwar Sparta und errang damit die Vormacht in der griechischen Welt. Diese Hegemonie war aber nur von kurzer Dauer, bereits 371 vor Christus wurden die Spartaner vernichtend geschlagen. Für einige Jahre, von 371 bis 362 vor Christus, errang dann die Stadt Theben die Vormacht, während im Norden langsam das Königreich Makedonien erstarkte.

Während der politische Stern der Attischen Demokratie und Athens zusehends schwand, fällt genau in diese Zeit das Leben und Wirken von drei der wichtigsten Philosophen des Abendlandes – Sokrates (469-399 v. Chr.), seines Schülers Platon (428-347 v. Chr.) und dessen Schüler Aristoteles (384-322 v. Chr.). Spätestens der Herrschaftsantritt des jungen makedonischen Herrschers Alexander, später „der Große“ genannt, im Jahr 336 vor Christus läutete das Ende der Klassik und den Beginn des Hellenismus ein.

 

(Ch. Sch.)