„Hängstätten“ sind nicht ganz das, was man beim ersten Mal lesen erwarten würde. Es ist keine alternative Bezeichnung für den Galgenberg (wie man diesen Platz seit dem Mittelalter nannte), auf dem die verurteilten Verbrecher gehängt wurden, sondern er bezeichnet etwas vollkommen anderes.

 

Dazu müssen wir uns ins Kaiserliche Wien des späten 18. Jahrhunderts begeben. Es war die Zeit, als durch gesellschaftliche Veränderungen das Kleinbürgertum die Möglichkeit bekam, sich gewisse Annehmlichkeiten des Lebens zu erarbeiten.

Dazu gehörte es etwa auch, seine Wäsche außer Haus waschen zu lassen. Denn man hatte zwar nicht genügend Geld für eigene Dienstboten, aber es reichte immerhin, um Wäscherfrauen zu bezahlen.

 

In Wien nannte man sie bezeichnenderweise „Wäschermadl“ und das wichtigste Mittel, um ihrer Arbeit nachzugehen, war natürlich fließendes Wasser. Deshalb siedelten sie entlang von Bächen und Flüssen und als besonders geeignet erwies sich dabei der sogenannte Himmelpfortgrund, der bis 1850 eine eigene Gemeinde vor den Toren Wiens war.

Damals gab es hier mehrere Bäche, deren wichtigste der Alserbach und der Währinger Bach waren. Die Flussläufe der beiden waren Tag für Tag gesäumt von den singenden und plaudernden Frauen und wurden bald auch zu einem beliebten Ziel für Ausflügler.

Denn die sauberen „Madeln“ und ihre Arbeit waren nicht nur schön anzuschauen, sondern sie waren auch bekannt für ihre Sangeskunst und ihre Schlagfertigkeit (das sogenannte „Goscherl“) und die Wiener waren stolz auf diese echte „Volkstype“.

 

Auf der einzigen Anhöhe der Gemeinde, dem sogenannten Sechsschimmelberg, stand auch ihre Wäscherburg, ein einstöckiges Gebäude mit tiefgehenden Höfen, dass ausschließlich von den Wäscherfrauen und ihren Familien bewohnt war.

Und genau hier befanden sich auch die sogenannten „Hängstätten“. Es war das einfach eine Bezeichnung für das unbebaute Gelände rund um die Wäscherburg, auf dem zwischen hohen Stangen Stricke gespannt wurden, auf denen die Wäsche zum Trocknen aushing.

Daher die Bezeichnung „Hängstätten“.