19. August 1477: Hochzeit zwischen Maximilian von Habsburg und Maria von Burgund

Die junge Herzogin von Brugund, Maria, war stark begehrt. Denn das Herzogtum Burgund (zu dem auch die burgundischen Niederlande gehörten) war ein reiches Land und sie war die Alleinerbin.

 

Die Heiratskandidaten, die sich seit ihrem 5. Geburtstag anboten, waren  z.B. der König von Aragon, der Herzog von Lothringen, der Herzog von Kleve, der Herzog von Geldern, der Dauphin von Frankreich und der Bruder des französischen Königs.

Seltsamerweise starben einige der Heiratskandidaten eines plötzlichen Todes, was die Gerüchte über Giftmorde aufbrachte.

 

Doch der Herzog von Burgund, Karl der Kühne,hatte besondere Hochzeitspläne: er wollte unbedingt eine Königskrone für sich. Deshalb verhandelte er im Jahr 1467 mit dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, dem Habsburger Friedrich III. Er würde seine Tochter Maria (1457-1482) mit Friedrichs Sohn Maximilian (1459-1519) vermählen, wenn Friedrich sein Reich zum Königtum erheben würde. Doch Karl starb 1477 in der Schlacht von Nancy – seine Kühnheit, die ihm später diesen Beinamen einbringen sollte, kostete ihm das Leben.

Marias Patenonkel, König Ludwig XI. von Frankreich, annektierte nun Burgund, indem er sich als Schutzherr Marias inszenierte. Er wollte sich unbedingt das Herzogtum Burgund sichern und forderte die Verlobung Marias mit seinem erst 7-jährigen Sohn und Thronfolger Karl (VIII.).  Doch Maria war mit diesem Vorgehen nicht einverstanden: sie suchte um Hilfe bei den Ständen und bei den Briten an und bestand auf ihre Heiratspläne mit dem Kaisersohn Maximilian. Sie schrieb ihm: „Sie dürfen nicht daran zweifeln, dass es, was uns betrifft, meine feste Absicht ist, der Entscheidung meines Vaters zu folgen, und dass es mein Wille ist, Ihnen eine treue Gattin zu sein. Ich bin sicher, dass Sie mir gegenüber dieselben Gefühle hegen.“ Außerdem möge er möglichst bald zu ihr kommen. Am 21. Mai 1477 brach Maximilian auf und kam am 18. August in Gent an, wo die Brautleute zum ersten Mal aufeinandertrafen.

 

Die lange Reise Maximilians schildert er selbst in seinem Werk „Theuerdank“, das einzige seiner drei autobiographischen Bücher, das zu seinen Lebzeiten veröffentlicht und gedruckt wurde. Das Buch gleicht einem Abenteuerroman, der Maximilians Beinnamen als „der letzte Ritter“ entspricht. Der Held Theuerdank muss auf der Reise zu seiner Braut Fräulein Ernreich allerlei Gefahren bestehen.

Das junge Paar unterzeichnete noch am Tag der Ankunft Maximilians in Gent den Ehevertrag, laut dem beide Partner gleichberechtigt miteinander herrschen sollten. Am nächsten Tag, dem 19. August 1477, fand die Hochzeit statt. Im „Weißkunig“, dem anderen Roman Maximilians, sind die Hochzeitsfeierlichkeiten beschrieben. Kurz nach der Heirat wurde Maximilian als Mitregent seiner Gattin inthronisiert und zum Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies ernannt. Dieser Orden sollte zum wichtigsten Hausorden der Habsburger werden.

 

Der König von Frankreich tobte. Er wollte Burgund mit aller Macht an sich bringen. Auf die Hochzeit folgte der 15 Jahre dauernde Burgundische Erbfolgekrieg.

Die Ehe hingegen war sehr glücklich. Die beiden teilten dieselben Leidenschaften, wie etwa Reiten, Jagen und das Schachspiel. Maximilian war begeistert von seiner schönen und klugen Frau.

Die beiden hatten 3 gemeinsame Kinder:

– Philipp (als „der Schöne“ bekannt): 1478-1506
– Margarete: 1480-1530
– Franz: 1481

Doch am 6. März 1482 stürzte Maria während einer Beizjagd von ihrem Pferd und starb an den Folgen im Alter von nur 25 Jahren. Sie wurde in der Liebfrauenkirche in Brügge bestattet. Maximilian heiratete zwar ein weiteres Mal, aber dies war eine bloße Zweckehe. Er sollte den Tod seiner geliebten ersten Ehefrau niemals überwinden und ließ sein Herz in ihrem Sarkophag beisetzen.

 

Vieles erinnert noch heute an die Verbindung der Habsburger mit Burgund vor allem in der Schatzkammer in Wien.

In der Österreichischen Nationalbibliothek befinden sich das Stundenbuch der Maria von Burgund, sowie Exemplare des „Theuerdank“ und des „Weißkunig“.

Eine Bronzestatue Marias ist in der Hofkapelle in Innsbruck am Kenotaph Maximilians zu sehen.

 

(K. M.)