Joseph Bologne Chevalier de Saint-Georges (1745-1799) ist ein weiterer großer Unbekannter unter den französischen Klassikern. Seine Geschichte ist einzigartig. Er war der illegitime Sohn von George de Bologne de Saint-Georges und Nanon, einer schwarzen Sklavin auf Guadeloupe. 1747 beschuldigte man den Vater zu Unrecht des Mordes und die Familie floh nach Frankreich. Das Urteil wurde zwar zwei Jahre später aufgehoben, jedoch ließen sich die Saint-Georges 1753 endgültig in Frankreich nieder. Der junge Joseph war vielfältig begabt, sehr athletisch, aber auch sehr musikalisch.

Seine eigentliche künstlerische Karriere begann 1769 in Paris, als er dem Concert des Amateurs als erster Violinist beitrat. In der Nachfolge Gossecs übernahm Saint-Georges 1773 schließlich die Leitung dieses Orchesters, das nur zu einem kleinen Teil aus gut ausgebildeten Laien und zum Großteil aus Musikern der Opéra bestand.

 

Als Komponist leistete er zwischen 1775 und 1785 einen wesentlichen Beitrag zu den beiden Hauptgattungen der französischen Instrumentalmusik: der Symphonie concertante und dem Solokonzert. Ein rasanter Aufschwung des Konzertlebens im Paris dieser Zeit war auch sein Verdienst. Und er schrieb natürlich Opern, von denen leider nur eine erhalten blieb. Einige Streichquartette stammen ebenfalls aus der Feder des jungen Komponisten; mit denjenigen von Vachon und Gossec gehören sie zu den ersten französischen Kompositionen dieser Gattung.

 

Saint-Georges‘ Melodielinien sind klar und fließend, oft mit melancholischem Tonfall, kantablen Themen und Material, das sich am Vaudeville orientiert, aber auch an der typisch französischen Revolutionsmusik, was bei vielen Komponisten dieser unruhigen Jahre zu beobachten ist.

 

Seine Hautfarbe machte ihm das Leben nicht leicht und nach mehreren Anfeindungen schlug er die Berufung auf einen der Direktorenposten der Académie royale de musique aus.

 

Im letzten Drittel seines Lebens musste er also wieder auf andere Talente zurückgreifen, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. In England nahm er an einer Reihe sensationeller Fechtwettkämpfe teil und trat 1792 als Hauptmann in den Dienst der Garde nationale. Während der »Schreckensherrschaft« von 1793/94 als Teil der französischen Revolution, die durch die brutale Unterdrückung aller Personen gekennzeichnet war, die verdächtigt wurden, Gegner der Revolution zu sein, war auch Saint-Georges für 13 Monate inhaftiert. Nach seiner Entlassung erhielt er kein neues Kommando und starb zurückgezogen und verarmt nach weiteren zwei Jahren im Alter von nicht einmal 55.

 

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(A.W.)