„Es war eine überaus schöne Stelle, vom Kloster Reichenau 2 Meilen entfernt, jenseits des Sees gegen Nordwesten, mit Fischerhütten besetzt, sonst aber zu keinem Anbau geeignet. Diesen Platz begann Ratoldus herrichten zu lassen, mit Häusern sowie mit einer Kirche zur Ehre Gottes zu bebauen und diese Zellenanlagen mit seinem Namen zu benennen, wie es bis heute der Fall ist.“ (aus einer Reichenauer Chronik)

Die Gründung der „Cella Ratoldi“ um 826 war der Beginn der heutigen Stadt Radolfzell am Nordwestende des Untersees. Ratoldus – Radolf, Radold oder Radolt genannt – wurde höchstwahrscheinlich auf der Reichenau erzogen und war später Bischof von Verona. Wie schon Bischof Egino, sein Vorgänger auf dem Veroneser Bischofstuhl, wollte auch Radoltus einen Altersruhesitz auf der Insel Reichenau haben. Dieser wurde ihm zwar auf der Insel nicht zugestanden, aber er bekam einen Platz auf Reichenauer Gebiet zugewiesen und zwar dort, wo sich heute die Altstadt von Radolfzell befindet. Radoltus baute eine Kirche und einige Häuser und ließ sich um 840 auf seiner „Cella Ratoldi“ nieder, wo er 845 oder 846 verstarb.

 

Radolfzell im Mittelalter

Um 1100 erhielt Radolfzell das Marktrecht und 1267 bekam die Stadt das Stadtrecht verliehen. Das im frühen Mittelalter so bedeutende Kloster Reichenau verlor jedoch ab dem späten 11. Jahrhundert an Bedeutung, geriet immer wieder in finanzielle Nöte und verlor seine Privilegien an den Bischof von Konstanz. Bischof Heinrich von Klingenberg verkaufte schließlich in den Jahren 1298/99 die Vogtei über die Stadt Radolfzell und die umliegenden Gemeinden an das Haus Habsburg. Während des Konstanzer Konzils (1414-1418) erlangte Radolfzell den Status einer Freien Reichstadt. Allerdings nur für kurze Zeit, denn bereits 1454 wurde die Stadt wieder habsburgisch.

 

Wohlstand, Reformationszeit und Dreißigjähriger Krieg

Obwohl Radolfzell nun wieder eine österreichische Landstadt war, erhielt die Stadt auch in der Folgezeit wichtige Privilegien: In der Mitte des 15. Jahrhunderts die hohe Gerichtsbarkeit und durch Kaiser Maximilian I. im frühen 16. Jahrhundert ein eigenes Strafgesetzbuch.

Während sich Konstanz und andere Städte in der Region in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts der Reformation angeschlossen hatten, blieb Radolfzell kaisertreu und katholisch. Die Stadt beherbergte in dieser Zeit etliche Kleriker sowie katholischen Adel und gewann damit an Reichtum. Auch der Getreide- und Weinhandel trugen zum Wohlstand der Stadt bei. Im Dreißigjährigen Krieg jedoch verlor Radolfzell ungefähr die Hälfte seiner Einwohner und nach dem Krieg lebten nur noch ca. 400 Menschen in der Stadt.

 

Radolfzell am Bodensee seit dem Frieden von Pressburg

Im Frieden von Pressburg 1805 musste das Habsburgerreich unter anderem auf Vorderösterreich verzichten und Radolfzell kam 1806 zum Königreich Württemberg und durch einen Tauschhandel 1810 schließlich zum Großherzogtum Baden. Während Radolfzell bis dahin überwiegend landwirtschaftlich geprägt war, eröffneten sich durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz 1863 neue Wirtschaftszweige und Firmen wie Schiesser und Allweiler ließen sich in Radolfzell nieder. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs auch die Bedeutung des Tourismus.

 

(D. F.)