Manchmal kann es auch ein Glück sein, wenn die Geschichte über einen Ort hinweggeht und ihn in einem »ursprünglichen« Zustand zurücklässt. So ist es Rothenburg ob der Tauber ergangen, das schon im Jahr 1274 Reichsstadt wurde, doch während des Dreißigjährigen Krieges seine Bedeutung verlor und im 19. Jahrhundert schließlich den Anschluss an die Industrialisierung verpasste. Das war vielleicht von Nachteil für die damaligen Einwohner, doch wir Heutigen haben dadurch das Glück, das mittelalterliche Stadtbild fast vollkommen im Originalzustand bewundern zu dürfen.

Die Geschichte der Stadt reicht zurück bis ins Jahr 1142, als König Konrad III. die Burg Rothenburg bauen ließ. Bald entstand neben dieser (oberhalb der Tauber– daher auch der Zusatz »ob der Tauber«) eine Stadt, welche am 15. Mai 1274 durch König Rudolf von Habsburg zur Reichsstadt erhoben wurde. Fast 350 Jahre sollte die Stadt nun blühen und gedeihen, bis der Dreißigjährige Krieg zum großen Wendepunkt in ihrer Geschichte wurde.

Denn als evangelische Stadt sympathisierte sie zwar mit ihren Glaubensbrüdern, war aber als Reichsstadt dem katholischen Kaiser Ferdinand II. zur Treue verpflichtet. Als im Herbst 1631 daher die Truppen unter König Gustav Adolf nach Süden drängten und der katholische Feldherr Graf von Tilly in Franken eine neue Verteidigungslinie aufzubauen versuchte, geriet das politisch eigentlich unbedeutende Rothenburg zwischen die Fronten. Zum Glück konnte es seiner Vernichtung entgehen, doch Hunger und eingeschleppte Krankheiten forderten ihren Tribut und die Stadt sollte sich auch nach Abzug der kaiserlichen Truppen nicht mehr erholen. Vielmehr fiel es nach Ende des Krieges in eine Art »Dornröschenschlaf« und wurde politisch und wirtschaftlich unbedeutender, was dazu führte, dass das ursprüngliche Stadtbild erhalten blieb. Was den für uns schon erwähnten Reiz ausmacht, hier einen authentischen Blick in unsere eigene Vergangenheit werfen zu können.