Im Sommer 1789 befand sich ganz Paris in Aufruhr.

Zwar rumorte es schon seit Langem im Volk, doch bisher hatte der Gedanke an die Rechtmäßigkeit des Königtums, der in Frankreich so tief verankert war wie sonst nirgends in Europa, die Menschen von einer Revolte abgehalten.

Doch jetzt hatte das Volk es leid, für die Mächtigen des Landes zu hungern und zu bluten. Vor allem über die junge Königin, die Habsburgerin Marie-Antoinette, wurde all der Hass ausgeschüttet, der sich viel zu lange angestaut hatte.

Ihr Ausspruch: „Sie haben kein Brot? Sollen sie doch Kuchen essen!“, ist zwar historisch nicht belegt, er zeigt aber, wie sehr sich die herrschende Schicht vom gemeinen Volk entfernt hatte.

 

In dieser Zeit, in der es zu der allgemeinen Unruhe auch noch zu schlechten Ernten und einer Hyperinflation kam, berief der König Ludwig XVI. die Generalstände ein um so dem Land die Möglichkeit zu geben, nach 175 Jahren wieder selbst über sein Schicksal zu bestimmen.

Eigentlich sollten die Abgeordneten als brave Untertanen nur neue Steuern bewilligen und dann still wieder auseinandergehen, doch es kam anders als erwartet. Denn einmal zusammengetreten wurde man sich schnell seiner Kraft bewusst und widersetzte sich zunehmend den Anordnungen des Königs.

Und so kam es, dass man sich an jenem schicksalsschweren Tag, dem 9. Juli 1789, zur verfassungsgebenden Versammlung konstituierte und für sich das Recht in Anspruch nahm, als einzig Bevollmächtigter für das Volk von Frankreich zu sprechen.

 

Doch den einfachen Menschen von Paris, aufgehetzt durch Flugblätter und die hitzigen Reden einzelner Abgeordneter, ging das noch lange nicht weit genug.

Einige von Ihnen begannen damit, die Zollhäuser rund um Paris in Brand zu stecken, und hofften damit, den Preis der Getreideeinfuhren zu senken.  

Als schließlich am 11. Juli der König seinen Finanzminister Jacques Neckar entließ (auf den das Volk große Hoffnungen gesetzt hatte), ließen sich auch bisher Unentschlossene von der aufgebrachten Stimmung anstecken und es kam zu Demonstrationen und Waffenplünderungen.

 

Schließlich versuchte man, das verhasste Gefängnis der Bastille zu stürmen, nicht nur, um die Gefangenen zu befreien, sondern vor allem um die dort gelagerten Munitionsvorräte zu erobern.

Doch der erste Versuch wurde vom Kommandanten der Bastille, dem Adeligen Bernard-René de Launay, blutig zurückgeschlagen. Er ließ das Feuer eröffnen und seine Männer töteten mehr als 90 Mitglieder der aufgebrachten Menge.

Erst, als die Menge neue Waffen und auch Kanonen in ihren Besitz gebracht hatte und damit auf die Bastille zustürmte, kapitulierte die Wachmannschaft.

 

In den Zellen befanden sich zu diesem Zeitpunkt nur noch vier Gefangene (darunter der bekannte Schriftsteller Marquis de Sade), die unter dem Jubel der Menge befreit wurden.

Der Wachmannschaft wurde freies Geleit zugesagt, aber auf dem Weg zum Rathaus wurde dem Kommandanten und einem seiner Begleiter der Kopf abgeschlagen. Auch Jacques de Flesselles, das Oberhaupt des Pariser Magistrats, der zur Rettung herangeeilt war, wurde enthauptet.

Die abgeschlagenen Köpfe steckte man schließlich, fast so, als wäre man wieder im finstersten Mittelalter gelandet, auf Heugabeln und trug sie unter lautem Jubel der Bevölkerung durch die Straßen.

 

Bereits zwei Tage später begann man mit dem Abriss der Bastille. Aus den Steinen ließ der Unternehmer Pierre-Francis Palloy detailgetreue Modelle der Bastille fertigen, die in die neuen Département-Hauptstädte geliefert und dort mit Pomp als Trophäen eingeweiht wurden.

Auch die Ketten und Fußkugeln der Gefangenen schmolz man ein und verfertigte daraus 60.000 Medaillen, auf die man das Motiv der „Freiheit“ prägte.

 

Wenn auch die militärische Bedeutung des Sturms auf die Bastille relativ gering war, so hatte dieses Ereignis doch eine beispiellose symbolische Wirkkraft und enorme politische Auswirkungen.

Denn es markiert einen radikalen Wendepunkt im Verlauf der Pariser Begebenheiten und zeigte erstmals einer breiten Öffentlichkeit den rapiden Verlust der königlichen Macht.

Nicht zuletzt deshalb wird jedes Jahr am 14. Juli der Tag des Sturms auf die Bastille als französischer Nationalfeiertag gefeiert.