Über Redewendungen, deren Bedeutung und Herkunft gibt es ganze Reihen von Büchern. Denn nicht in allen Fällen erschließen sich deren Zusammenhänge aus dem Wortlaut. So verhält es sich auch mit dem Satz „Das ist unter aller Kanone!“, über dessen Ursprung in gängigen Wissens-Brettspielen allzu gerne gefachsimpelt wird.

 

Die Bedeutung an sich ist den meisten geläufig: Ist etwas „unter aller Kanone“, dann ist etwas ganz besonders schlecht. Oftmals soll mit diesen Worten dezidiert betont werden, dass etwas qualitativ kaum zu unterbieten ist. Doch wo kommt dieser Ausspruch her?

 

„Also, der Spruch hat auf jeden Fall was mit Krieg zu tun!“ – „Vielleicht geht es um Sabotage an Kanonen?“ – „Das kann sein! Vielleicht mussten Saboteure heimlich an die gegnerische Befestigung oder den Schützengraben heranrobben und unter die Kanonen krabbeln, um diese unerkannt beschädigen zu können?“ – „Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass das mit frühneuzeitlichen Schiffen und deren Bordkanonen zu tun hat! Die waren ja sehr schwer! Und wenn man sich ein Deck darunter befand, war man ja unter aller Kanone in akuter Gefahr, dass die durch die Planken brechen könnten!“

Solche kreativen Erklärungsversuche mögen zur Belustigung der Wissenden beitragen, sind sie doch vom wirklichen Ursprung weit entfernt. Denn die Redewendung hat nichts mit dem metallenen Kriegsgerät zu tun, das die Kriegsführung im deutschsprachigen Raum seit dem 15. Jahrhundert (und unter dem Begriff „Kanone“ seit dem 17. Jahrhundert) erheblich beeinflusste.

 

Wie so viele Sprichworte hat auch dieses einen lateinischen bzw. altgriechischen Ursprung. Der lateinische Ausspruch „sub omni canone“ bezog sich aber mitnichten auf Kanonen, sondern vielmehr auf das Wort „Kanon“ (gr. κανών, lat. canone), was in beiden antiken Sprachen so viel bedeutet wie „Regel, Richtschnur, Maßstab“. Übersetzt heißt „sub omni canone“ also „unterhalb jedes Maßstabs“ und wird noch heute als Bewertungsstufe von (ungenügenden) Dissertationen verwendet. Dass man eine solche Arbeit oder deren Bewertung dann womöglich „unter aller Kanone“ findet, ist natürlich eine ganz andere Geschichte.

 

(A. M.)