Zeige- und Mittelfinger erhoben, die restlichen Finger in die Hand gepresst. Dieses Zeichen wird heute weltweit verwendet, sei es nun als Geste der Freude und des Glücks wie im asiatischen Raum oder mit dem Handrücken zum Gegenüber als Zeichen äußerster Verachtung, ähnlich dem deutschen „Stinkefinger“ (wie in England üblich).

Menschen, die sich ein wenig mit unserer Geschichte befassen, kennen das Symbol auch als Peace-Zeichen der Hippiebewegung oder als Victory-Symbol (als Zeichen der Siegesgewissheit) bei Winston Churchill.

 

Es ist kein Wunder, dass beide Quellen auf den angelsächsischen Raum als Herkunftsland deuten.

Denn die Geschichte dieser Geste geht zurück auf den Hundertjährigen Krieg, ein Ringen, in dem die englischen Herrscher ihren Anspruch auf den französischen Thron mit Waffengewalt durchsetzen wollten.

Die englischen Herrscher konnten sich dabei zwar für eine lange Zeit auf dem französischen Festland behaupten, doch hatten sie immer einen schweren Stand. Denn den gut ausgebildeten Ritterheeren Frankreichs waren sie zu jeder Zeit zahlenmäßig weit unterlegen.

 

Aber die Engländer hatten eine Waffe, auf die sie sich immer verlassen konnten – die englischen Bogenschützen.

Diese hatten durch ihre Reichweite und die Durchschlagskraft ihrer Pfeile einen wesentlichen Anteil an den Siegen von Crécy und Azincourt (einen der größten Triumphe der Engländer über die Franzosen) und waren deshalb bei den Truppen des Hauses Valois gefürchtet und verhasst.

Ein Hass, der die Franzosen zu drastischen Mitteln verleitete.

 

Denn dadurch, dass sie dieser neuartigen Waffe und ihrer klugen taktischen Anwendung kaum etwas entgegenzusetzen hatten, schnitten sie allen Bogenschützen, derer sie habhaft werden konnten, den Zeige- und Mittelfinger und den Daumen ab (wie man es bei Jean de Wavrin lesen kann).

Dadurch wurde es den Soldaten unmöglich gemacht, eine Bogensehne zu ziehen, und sie waren damit für weitere Schlachten unbrauchbar geworden.

 

Die englischen Bogenschützen wussten um diese Gefahr und als Zeichen des Trotzes, vielleicht auch als Symbol ihrer Überheblichkeit und Siegesgewissheit, verspotteten sie vor jeder Schlacht die Franzosen damit, dass sie ihnen ihre intakten Finger in der heute bekannten Geste entgegenstreckten.

Eine mutige Geste, deren Echo noch heute durch die Jahrhunderte hallt.