Was ist Philosophie? Das wunderbare und gleichzeitig schreckliche an dieser Frage ist, dass sie bereits den Kern der Sache trifft.

Jeder kann diese Frage beantworten. Gleichzeitig kann keiner diese Frage beantworten. Die Antwort gestaltet sich für jeden Menschen und in jedem Moment anders. Die Antwort mag manchen Menschen klar vor Augen liegen und in wenige Worte zu fassen sein, aber einfach und allgemeinverständlich ist sie darum noch lange nicht. Und auch dieser Umstand trifft wiederum genau den Kern der Sache.

Die Philosophie ist das Hinterfragen, das Grübeln und Staunen an sich. Die menschliche Eigenschaft, die Dinge nicht hinzunehmen, wie sie sind und die Fähigkeit, alles ergründen und verstehen zu wollen und den Untiefen der Welt und des Lebens auf den Grund zu gehen. Und damit kommen wir auch zum Besten an der Philosophie: Jeder Mensch kann ein Philosoph sein, ohne Ausbildung und ohne Vorwissen.

 

Dennoch muss man diese Philosophie des Alltags ganz klar von der wissenschaftlichen Disziplin der Philosophie trennen, wie sie an Universitäten unterrichtet oder in Fachpublikationen diskutiert wird. Hier wird Philosophie als eine Wissenschaft definiert, die mit logischen Schlüssen und logischem Denken Erkenntnisse über die Wirklichkeit gewinnen will. Der universale Anspruch des Wahren macht die Philosophie zu einem gemeinsamen Diskurs von allen über alles. Wie ist die Welt beschaffen und wie lässt sie sich erschließen? Wie kommt der Mensch darauf, etwas für wirklich und wahr zu halten? Wie denkt ein Mensch überhaupt? Und warum existiert der Mensch letzten Endes denn? All das ist Philosophie. 

Was das Wort Philosophie an sich bedeutet, ist dagegen schnell erklärt: Das altgriechische philosophia bedeutet wörtlich übersetzt die „Liebe zur Weisheit“. Die Philosophie muss logisch und durch den Verstand und die Vernunft ergründbar sein. Emotionen und Meinungen sind keine Philosophie.

Spricht man im europäischen und angelsächsischen Raum von Philosophie, so meint man meist die westliche, sprich abendländische Variante. Daneben gibt es allerdings auch weltweite philosophische Traditionen seit der Antike – sei es in Asien, Afrika, Amerika, in der jüdischen oder später der islamischen Kultur. Und auch wenn man nur die abendländische Philosophie betrachtet, lässt sich ihre reichhaltige Entwicklung noch einmal in zahlreiche Disziplinen, Zeitepochen und Strömungen unterteilen, von der wandelhaften Begriffs- und Wissenschaftsgeschichte und die zahllosen einzelnen PhilosophInnen mit ihren Lebenswerken ganz zu schweigen. Das macht die Philosophie unendlich komplex und vielleicht auch verwirrend, doch das erschwert keinesfalls den Einstieg.

 

Wir erinnern uns: Jeder kann ein Philosoph sein und das sofort. Das ist das Anziehende und Sympathische an der Philosophie und genau das zieht die Menschen seit Jahrtausenden auf magische Weise zu ihr hin. Denn anders als beispielsweise die Naturwissenschaften, begrenzt sich die Philosophie nicht auf ein Fachgebiet, eine Methode, einen Raum oder eine Zeit. Man kann sich mit jedem Thema und mit jeder Frage, die einem gefällt und liegt, auf eine philosophische Weise nähern. 

In der westlichen Welt hat die Philosophie ihre Ursprünge in der Antike. Ein Hauptmotivator für die frühen Philosophen des antiken Griechenlands war die Loslösung und Abgrenzung von Mythologien und anderen religiösen und damit letztendlich irrationalen Weltbildern.  Bereits in der Antike entwickelte sie sich zu einer regelrechten Wissenschaft, die systematisiert wurde. Die Aufteilung in verschiedene Teildisziplinen und Methoden existiert bis heute.

Eine grundsätzliche Teilung in die Teilbereiche der Logik oder Erkenntniskritik, der Metaphysik sowie eine praktische und eine theoretische Philosophie existierte bereits zu Zeiten Aristoteles (384 – 322 v. Chr.), einem der berühmtesten und wirkungsmächtigsten Philosophen der Weltgeschichte. Während die Logik die Lehre von gültigen Schlussfolgerungen aber auch Fehlschlüssen ist, betrachtet die Metaphysik die grundlegenden Strukturen, Fundamente, Voraussetzungen und Ursachen des Seins. Zur theoretischen Philosophie gehört zum Beispiel die Erkenntnistheorie oder die Wissenschaftstheorie, während zur praktischen Philosophie unter anderem die Ethik oder die Geschichts-, Kultur- und Religionsphilosophie zählen.

 

(Ch. Sch.)