Mein Stil ist die Atmosphäre“ W.T.

 

Joseph Mallord William Turner wird 1775 in London geboren. Wir kennen ihn als einen der bedeutendsten bildenden Künstler Englands und als grandiosen Maler des Lichtes und des Meeres. Viel Zeit hat er in seiner Kindheit auf dem Lande verbracht, denn die Mutter war krank und man schickte ihn zu Verwandten. Der Junge kolorierte gerne Kupferstiche und bald begann er, sie zu kopieren. Der nächste Schritt war dann selbstverständlich, aus eigener Kraft kreativ zu werden. Er begann also, erste Skizzenbücher mit Ansichten aus der ihn umgebenden Natur zu füllen.

Sehr schnell wurde man auf sein Talent aufmerksam und ihm wurde ein Stipendium an der Royal Academy ermöglicht.

 

1802 verlässt William Turner zum ersten Mal seine Heimatinsel, überquert den Ärmelkanal und reist nach Grenoble. Zu dieser Zeit war er schon sehr berühmt und vollständiges Mitglied der Royal Academy – sehr ungewöhnlich für einen Mann von gerade 28 Jahren, aber auch ungewöhnlich für einen Landschaftsmaler. Denn zu dieser Zeit war die Historienmalerei die eigentlich „Kunst“. Landschaftsmalerei ordnete sich in der Gattungshierarchie weit am Ende ein, nach der Porträtmalerei und der Genremalerei.

Turner wird das ändern, und zwar grundsätzlich.

 

Zuerst skizzierte er Grenoble aus vielen Perspektiven. Die Stadt liegt nicht weit entfernt von hohen, gewaltigen Bergmassiven und wird von den Flüssen Isère und Drac durchflossen – interessante Motive für einen Maler sind da also zu finden. Später werden aus den Skizzen über 30 Aquarelle entstehen.

Einige Zeit später zieht es ihn dann hinein in die Berge. Damals war das nur zu Fuß möglich, eine anstrengende Sache. Zu Turners Zeit wurde die Natur hauptsächlich als bedrohlich wahrgenommen, als Gegenspieler, höchstens als Ernährer. Die Schönheit wurde noch kaum gesehen.

Das Tal von Chamonix und der Gletscher am Mont Blanc faszinierten den Künstler Turner jedoch. Er malte und malte und malte.

Bei seinen Ausflügen hatte er nur wenig Malausrüstung dabei und dann später im Atelier aus den Skizzen Kunstwerke erschaffen.

Bis 1845 reiste er rund 10mal in die Alpen und verbrachte viel Zeit in der Natur auf – monatelangen, einsamen Ausflügen.

 

William Turner war ein Vorkämpfer für den bald auftauchenden Impressionismus, denn in seinen späten Bildern hat er sich weitgehend von der figurativen Malerei verabschiedet. Das Wort Impressionismus hat seine Wurzeln ja in „Impression“, also „Eindruck“. Und William Turner wollte nicht nur Tatsachen wiedergeben, sondern Atmosphäre.

 

(A. W., Inspiriert durch die Reportage „La grande aventure de William Turner, Literatur: Kunstmuseum Luzern (Hrsg.). Turner – Das Meer und die Alpen, München) 2019