Michelangelo Buonarroti, der Star der Renaissance, hatte ein echtes Problem mit Papst Julius II..

 

Der Rovere-Papst versah sein Amt im Stile eines italienischen Territorialfürsten und hatte Michelangelo 1505 von Florenz nach Rom rufen lassen,  damit dieser Julius‘ außergewöhnliches, besonders großes und freistehendes Grabmal erbauen kann, das damals für eine zentrale Stelle im Petersdom gedacht war. Michelangelo gehorchte nur ungern, denn in Florenz musste er dafür wichtige Projekte ruhen lassen. Aber, damals schon eine junge Berühmtheit, konnte er sich auf immerhin 10.000 Dukaten Bezahlung freuen, eine ziemlich große Summe. Und da Julius zu diesem Zeitpunkt schon über 60 Jahre alt war, schien eine schnelle Bearbeitung des Auftrages auch durchaus sinnvoll.

Zunächst musste und wollte Michelangelo in den Steinbrüchen von Carrara den Aushub der Marmorblöcke überwachen. Diese kamen im Frühjahr 1506 in seiner Werkstatt an.

 

Erste Pläne entstanden, ein ganzes Heer an Statuen sollte das Monument bevölkern. Michelangelo begann mit der Arbeit.

 

Ungefähr 20 Monate später kam jedoch der äußerst kostspielige Neubau des Petersdomes dazwischen. Julius wand sich von Michelangelo ab – Zahlungen flossen ab da kein mehr.  Von diesem Moment an interessierte sich der Papst einige Jahre lang nur noch für sein neues Prestigeobjekt, das Rom endgültig zur Hauptstadt des Christentums machen sollte. Dafür setzte Julius schließlich sogar den Ablass ein. Michelangelo kehrte wütend und enttäuscht zurück nach Florenz.

Durch die Bauarbeiten an Sankt Peter wird sogar die nahe Sixtinische Kapelle erschüttert und Risse in der Decke zwingen zur Renovierung.

1508 wurde Michelangelo dann wieder von Julius nach Rom gerufen. Der Künstler hatte sich eigentlich nach seiner ersten Abreise geschworen, niemals zurückzukehren. Jedoch ließ er sich überreden, denn nun sollten endlich die Arbeiten am Grabmal vorangetrieben werden. Kaum war er vor Ort,  erschien Julius jedoch plötzlich die Ausmalung der Decke der renovierten Sixtina wichtiger und er diente Michelangelo zunächst diesen Auftrag an.

Bis 1512 sollte die Arbeit am, schon alleine rein flächenmäßig, vermutlich größten Kunstwerk der Renaissance dauern. All seine künstlerischen und philosophischen Gedanken ließ Michelangelo in dieses Mammut-Projekt einfließen.

Im Februar 1513 starb Julius – 8 Jahre lang sind bis dahin zwei Dickköpfe aufeinander geprallt, haben sich aneinander gemessen und starrköpfig auf der Planungshoheit bestanden. Das ist nun also vorbei.

Ab diesem Zeitpunkt musste Michelangelo mit der Familie des Toten über die weiteren Arbeiten am Grabmal verhandeln. Auch das sollte noch viele Jahre dauern. 1545 – in der Zwischenzeit hatte Michelangelo sogar das Jüngste Gericht in der Sixtina angefertigt – war das Grabmal endlich fertig und konnte in der Form, die wir heute kennen in San Pietro in Vincoli aufgestellt werden. Nur der weltberühmte Moses ist zweifelsfrei vom Meister selbst ausgeführt, die restlichen Figuren sind augenscheinlich Werkstatt-Arbeiten.

 

Und – das Grabmal ist ein Kenotaph. Denn Julius ruht, schwer zu finden, im Petersdom – unter der schlichtesten aller Marmorplatte.

Geschichten, die die Geschichte schreibt.

 

(A.W.)