Noch schwelgend in den Erinnerungen an seine letzte Italienreise und unter dem Einfluss der Werke, die er dort gesehen hatte, fiel A. Renoir ein um 1400 verfasstes Handbuch über Malerei in die Hände.

Dieses Werk und die Gemälde von J.A.D. Ingres gaben den Anstoß zu einem neuen Abschnitt im Leben dieses großen Impressionisten, die wir heute als seine „Ingres“ Periode kennen.

 

War er bisher die Frische und Natürlichkeit seiner Bilder und die Darstellung einer urtümlichen Lebensfreude durch strahlende Farben, die sein Werk ausmachte, so wandte er sich nun verstärkt dem Klassizismus zu und seine Malweise wurde herber und strenger im Ausdruck.

Dabei blieb er sich zwar in der Wahl seiner Objekte treu, aber sie sind in ihrer Ausführung klar von den Werken der vorangehenden Zeit unterscheidbar.

 

Ganz zu Beginn dieser neuen Schaffensperiode schuf er eines seiner beliebtesten Werke, die „Zwei Schwestern auf der Terrasse“.

Es zeigt Jeanne Darlot, eine junge Schauspielerin, und ihre junge Begleiterin. Darlot trägt das traditionelle Blau der Schiffer und sie sitzt inmitten der stimmungsvollen Landschaft von Chatou, einem Vorort von Paris, wo die Künstlerin einen Großteil des Frühlings 1881 verbrachte.

Ihr abwesender Blick schweift in die Ferne, vorbei am Maler und auch unbekümmert um das Kind an ihrer Seite, das wie zufällig ins Bild gestolpert erscheint.

 

Obwohl das Bild streng komponiert wurde, erscheint es uns wie aus dem Augenblick geboren. Fast wie auf einer zufälligen Photographie sieht man ein kleines Mädchen und ihre Freundin in einem Moment stiller Zufriedenheit und Ruhe.

Und doch ist es umweht von einer kühlen Strenge, in dem man Renoirs neue Meisterschaft und seine Beschäftigung mit der Tradition erkennt.

 

Renoir war sich der Gefahr bewusst, dass der Hintergrund zu dominant wird und die jungen Frauen verschluckt, ganz so als, würden sie sich in der Weite der Landschaft verlieren.

Doch durch einen geschickten Einfall gibt er dem Bild Kontur und eine innere Festigkeit. Denn die junge Frau sitzt vor einem Geländer und dadurch finden wir uns, wenn auch ohne es wirklich zu merken, nicht mehr im freien Raum, sondern die Natur wird domestiziert und ist nur noch Rahmen der Handlung, nicht mehr ihr Mittelpunkt.

 

Ein wunderbares Bild das genau das ausdrückt, was Kenner an Renoir so lieben und was ein Unbekannter einmal mit den Worten zusammenfasste: „Er liebt alles, was im Leben fröhlich, brillant und tröstlich ist.“

 

Hier geht es zum Gemälde: Zwei Schwestern, Auf der Terrasse